Wir freuen uns auf:
- Sabria David / Slow Media Institut,
- Sabine Heinrich / 1Live,
- Odile Limpach / Blue Byte GmbH,
- Simone Stewens / ifs Internationale Filmschule Köln,
- Kim Lenar / BILD.
Unter dem Motto „Eine Idee weiter“ zeichnet der ARD/ZDF-Förderpreis Frauen+Medientechnologie herausragende Abschlussarbeiten aus. Medientechnisch interessierte Studentinnen können sich noch bis zum 29. Februar 2012 für den Förderpreis bewerben.
Teilnehmen können Frauen, die an deutschen, österreichischen oder schweizerischen (Fach-)Hochschulen und Universitäten studieren bzw. studiert haben und die nach dem 1. Januar 2010 eine Abschlussarbeit zur Erlangung eines akademischen Grades eingereicht haben. Wichtig ist dabei, das die Abschlussarbeit sich mit technischen Fragen der audio-visuellen Medienproduktion oder -distribution (auch online) befasst. Es winken Preisgelder in Höhe von 5.000 Euro (1. Preis), von 3.000 Euro (2. Preis), 2.000 Euro (3. Preis) sowie ein Sonderpreis für eine hervorragende Bachelorarbeit.
In jedem Fall lohnt sich eine Bewerbung, weil sie eine Visitenkarte ist und Karriereoptionen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eröffnet. Jenseits des Förderpreises besteht für Bewerberinnen die Chance, in ein Trainee-Programm, eine Mentoring-Initiative oder eine andere Frauenfördermaßnahme der beteiligten Rundfunkanstalten aufgenommen zu werden.
Weitere Informationen unter:
http://www.ard-zdf-foerderpreis.de/

An dieser Stelle finden Sie unsere Audiodokumentation der Veranstaltung. Sie können die Begrüßungen und Redebeiträge der Gastgeber und Partner der “Medienfrauen NRW 2011″ nachverfolgen. Außerdem im Programm: Die Mitschnitte der beiden Vormittags-Panels, “Erfolgreiche Frauen in den Medienbranchen” und “Ausbildung in der Medienbranche – Voraussetzungen, Erfahrungen, Bedingungen”.
Elisabeth Neumann (Medienbüro Rheinland) startete vor 20 Jahren ihre berufliche Laufbahn mit einem Volontariat bei RTL, danach wechselte sie zu Stern TV und wurde dort Chefin vom Dienst. Ihr Weg führte sie dann zu Gruner+Jahr als Redaktionsleiterin bei bizz.TV, danach war sie zwischenzeitlich Pressesprecherin der NRW Medien GmbH und wechselte dann zu einer Werbeagentur, um für Kunden TV-Werbung entwickeln. Vor sechs Jahren wurde sie selbstständig als Autorin und Regisseurin und bietet Fortbildung, Moderation, Einzelcoaching in der Medienbranche an.
Silke Knabenschuh ist Jugendschutzbeauftragte bei wer-kennt-wen.de. Sie ist ausgebildete Medienpädagogin und studierte Englisch und Deutsch auf Lehramt. In ihrer Tätigkeit bei wer-kennt-wen hat sie eine beratende Funktion bei allen Neueinführungen, z.B. neue Funktionen, die unter Jugendschutzgesichtspunkten beurteilt werden müssen. Sie beantwortet gemeinsam mit 50 Kolleginnen und Kollegen Nutzeranfragen, bearbeitet Meldungen zu problematischen Inhalten und betreut die Aufklärungsseiten und den Jugenschutzbereich von wer-kennt-wen. Dabei gehe es vor allem darum, Nutzer zu sensibilisieren, die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Jugenschutzgremien zu pflegen, die auf Medienarbeit konzentriert sind, an Fachtagungen teilzunehmen und Informationen über Medienentwicklungen (Pädagogik, Politik etc.) zu sammeln.
Mit einer Benachteiligung im Job habe sie keine schlechten Erfahrungen gemacht, so Knabenschuh, “was vor allem daran liegt, dass ich bis jetzt immer Nischen bedient habe.” Wichtig für die Vereinbarkeit eines Medienberufs und der Familienplanung sei es “am Ball zu bleiben bleiben“, so Knabenschuh. Das Internet bilde da keine Ausnahme, und Medien seien grundsätzlich eine schnelllebige Branche. Ein Jahr Elternzeit sei jedoch machbar
Nicole Ebber, Projektmanagerin bei wikimedia Deutschland, ist ausgebildete Bürokauffrau und Übersetzerin und Dolmetscherin. Bereits während der kaufmännischen Ausbildung hat sie sich im Bereich Computer fortgebildet und dann ihr eigentliches Traumstudium in Köln begonnen: Informationswirtschaft. Ihre Diplomarbeit schrieb sie zum Thema Creative- Commons- Lizenzen, hielt danach Vorträge in diesem Feld und arbeitete an eigenen Blogs, sozialen Netzwerken etc. Auch hierüber knüpfte sie wichtige Kontakte, und es folgte die Anfrage bei wikimedia, da sich für Ebber hier Arbeit anbot, für die auch ihr Herz schlug. wikimedia, die “Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V.” ist der Ansprechpartner für die deutsche Wikipedia, leistet finanzielle Unterstützung, stellt Anwendungen, Marketing etc. für Wikipedia bereit.
Für wikimedia führt Ebber ein medienpädagogisches Schulprojekt durch, um Nutzern den richtigen und kritischen Umgang mit wikipedia zu vermitteln. Als Medienfrau ist sie in ihrem Umfeld ein eher seltenes Exemplar, der „Frauenanteil war immer total gering“. Aber sie habe sich nie diskriminiert gefühlt. Bei Wikipedia versuchen sie auch gezielt, mehr weibliche Autoren zum Mitmachen zu motivieren. Bisher sind es nur 12 Prozent.
Die Journalistin und Autorin Hatice Akyün ist leider erkrankt, hat aber eine persönliche Nachricht an die Workshopteilnehmerinnen geschickt.
Christina Wandt, Redakteurin bei der WAZ, machte ein Praktikum in einer Lokalredaktion, blieb als freie Mitarbeiterin, wurde dann Volontärin und durchlief alle Stationen bei der Zeitung. Ihren Lebenslauf bezeichnet sie als „orthodox“. Akyün hingegen hatte einen wesentlich bewegteren Lebenslauf mit vielen unterschiedlichen Jobs. Auch als Journalistin blieb Akyün vielseitig (MAX, Emma, …), ist die „Türkin im Medienbusiness“, betont jedoch immer auch, dass sie mehr ist als das.
Christina Wandt erläutert die formalen Voraussetzungen für ein Volontariat bei der WAZ und plädiert dafür, das Studium zu absolvieren, das Spaß mache. Fachspezifische Hintergründe könnten wichtig sein, z.B. würden gerade Journalisten mit natur- oder wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund gesucht. Bewerber für ein Volontariat sollen nicht älter als 30 Jahre alt sein und absolvieren bei der WAZ ein Assessment Center mit einem Wissenstest, der auf Nachrichtenwissen basiert. Darum sei es wichtig, so Wandt, informiert zu sein. Die Teilnehmerinnen können sich anhand der mitgebrachten Beispielfragen ein Bild machen.
Diskutiert wurde vor allem die Frage nach der Studienrichtung: Ist es besser, einen Journalismustudiengang zu wählen oder ein fachspezifisches Studium mit praktischen journalistischen Erfahrungen zu kombinieren? Die Referentinnen empfehlen, ein fachlich ausgerichtetes statt eines Journalistikstudiums zu wählen und nebenbei journalistische Erfahrungen zu sammeln. Wichtig seien „Alleinstellungsmerkmale“, d.h. thematische Schwerpunkte, die einen auszeichnen (z.b. Naher Osten, Physik). Das Tageszeitungspraktikum ist laut Wandt ein guter Grundstock für die weitere journalistische Arbeit. Anne Scholz von AIM-MIA betont, dass es auch im Blick auf die Zeitung eine ganze Bandbreite an möglichen Berufen gibt (z.B. auch Anzeigenvermarktung).
Christina Wandt stellt im Workshop unterschiedliche Zeitungsformate vor, vor allem um zu zeigen, dass verschiedene Formate auch unterschiedliches journalistisches Arbeiten verlangen:
die „Boulevardzeitung“ (BILD), keine Abo-Zeitung, keine kontinuierliche Auflage, Zeitung muss sich immer verkaufen, darum aggressive Aufmacher
„Leitmedien“ (Süddeutsche, FAZ), bestimmte politische Ausrichtung; auch hier bestimmter Stil und bestimmtes Design
Zeitungen, die auf bestimmte Branchen spezialisiert sind, z.B. Handelsblatt
Wochenzeitungen wie die ZEIT, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Illustrierte (Bunte, Brigitte etc.)
Nachrichtenmagazine wie der Spiegel
Im Journalismus gibt es keine festen oder geregelten Arbeitszeiten, häufig arbeitet man bis spät abends oder auch am Wochenende, ebenso gibt es Dienst an Feiertagen. Es wird gearbeitet, „bis die Zeitung voll ist“, so Wandt. Von großem Interesse war auch die Frage nach den Verdienstmöglichkeiten: Die Finanzlage im Print-Journalismus ist nach Ansicht der Referentinnen schwierig. Es gebe immer mehr Freiberufler: oft stehen investierte Arbeit und ausgezahlter Lohn in keinem guten Verhältnis.
Wandt sagt, dass man Neugier, gute Allgemeinbildung, gute Auffassungsgabe und Hartnäckigkeit braucht. Man müsse „den Finger in die Wunde legen“. Wichtig seien auch Auslandssemester. Auslandskorrespondenten müssen über alles berichten. Deshalb sei es gut, wenn man in seiner Zeit vor der Auslandsarbeit möglichst viele Bereiche journalistisch abgedeckt hat. Außerdem müsse der Auslandskorrespondent sehr schnell und flexibel an neuen Themen arbeiten.
Anna Hepp, 34 Jahre, besuchte die Realschule und machte dann Abitur. Nach einer beruflichen Findungsphase wurde sie Fotografin. Im Anschluss schrieb sie sich an der Kunsthochschule für Medien in Köln ein. Über Fiktionales und Fotokunst gelangte sie zum Film und dreht nun insbesondere Dokumentarfilme (vgl. www.annahepp.com).
Im Workshop zeigte Anna Hepp den Trailer zu ihrem Film “Rotkohl und Blaukraut” (60min). Dieser Film wurde in vier Jahren produziert und wurde auf der Berlinale im Rahmen des Deutschen Films gezeigt wurde. Frau Hepp sprach von der Leidenschaft des Filmemachens und betonte, dass diese Filmarbeit kein Geld erwirtschafte, das Gegenteil sei der Fall: Ihre Filmproduktion wurde mit Neben- und Gelegenheitsjobs finanziert. Sie verwies allerdings auch auf Finanzierungsförderungen und Stiftungen.
Der zweite Dokumentarfilm von Anna Hepp, gedreht in Schwarzweiß auf 16 mm Filmmaterial, mit einer Länge von 25 min., thematisiert das beschwerliche Alltagsleben der fast 94-jährigen Dorothea, die seit fast 17 Jahren allein lebt. Dieser Film gewann Preise auf zahlreichen Filmfestivals. Frau Hepp beschreibt die Arbeit der Filmproduktion und beantwortet Fragen zum Material, zur Produktionszeit und zu den Produktionsbedingungen.
Kiki Radicke studierte Kommunikationswissenschaften, Marketing und Philosophie, absolvierte Praktika in verschiedenen Agenturen und arbeitete zunächst in der Produktion und Organisation. Nach zwei Jahren Babypause machte sie sich selbstständig mit einer Firma zur Filmausstattung. Es gibt keinen Ausbildungsberuf Filmausstattung. Relevante Studienfächer wären Innenarchitektur oder Requisite. Filmausstatter sind zumeist selbstständig und müssen Phasen ohne Beauftragung überbrücken und neue Aufträge akquirieren.
Kiki Radicke wird von der Regie “eingekauft”, um Planungen und Geschichten ein konkretes Bild zu geben: “Wie sieht die Location aus? Was haben die Darsteller an? Wie sieht die Wohnung aus? Wo kann ggf. auch ein Auto explodieren, wenn es das Drehbuch vorsieht?” Als Ausstatter muss man die Produktion bedienen und Kosten voraussehen. Auf der anderen Seite gilt es, den Regisseur zu sehen und ggf. Kosten zu sparen. Die Arbeit erfolgt in einem Team und erfordert ein strenges Controlling und ein hohes Maß an Kreativität. Ständige Bereitschaft und konzentrierte Arbeitszeiten erschwerten ein geregeltes Familienleben, so Kiki Radicke. Und: Das Tätigkeitsfeld Filmausstattung sei von Männern dominiert: Zwar gebe es viele Praktikantinnen, jedoch nur wenige professionelle Ausstatterinnen und Motivscoutinnen.
Zu den Projekten zählen Filme, Serien und Videoclips. Insbesondere historische Filme erfordern viel Recherche und Abstimmung. Frau Radicke beschreibt den Weg von den Vorgaben eines Drehbuchs, über Entwürfe für ein Setting, Abstimmung und Auf- bzw. Abbau der Ausstattung.

v.l.n.r.: Elisabeth Neumann (Medienzentrum Rheinland), Dr. Andrea Kathage-Miosga und Anne Lührs (beide WDR)
Shary Reeves diskutiert mit Anne Luers vom WDR (Aus- und Fortbildung), Dr. Andrea Kathage-Miosa (WDR), Elisabeth Neumann, freie Autorin und Regisseurin, Jenny Jung (Mediencluster NRW) und der gelernten Schriftsetzerin Jutta Klebon (ver.di).
Netzwerke
Reeves betont zu Anfang des Panels, wie wichtig es ist, Veranstaltungen zu besuchen, Kontakte zu knüpfen und sein Netzwerk zu pflegen. Frauen hätten besonders im Bereich Netzwerken einiges nachzuholen, so Anne Luers: „Sie können da gar nicht zu viel machen“, sagt die Ausbilderin. Dabei sei Mut und Eigeninitiative wichtig. “Mit dem Netzwerken kann man gar nicht früh genug anfangen”, sagt Jenny Jung. Sie betont außerdem die Wichtigkeit von online-Netzwerken (XING, Facebook, Twitter etc.). Besonders für die Medienbranche sei die Arbeit mit diesen Netzwerken extrem wichtig, so auch Elisabeth Neumann.
Jenny Jung betont, dass im Umgang mit Online-Netzwerken Vorsicht geboten ist: man sollte nicht alles ins Netz stellen, denn im schlimmsten Fall lässt sich nichts mehr löschen. “Die Privatsphäre muss geschützt werden.”
Praktika, Volontariate etc.
Wie funktioniert die Ausbildung und was muss man mitbringen? Anne Luers und Andrea Kathage-Miosga berichten von den Ausbildungsmöglichkeiten beim WDR. Dabei spricht Anne Luers aus der Perspektive der Ausbilderin, Kathage-Miosga als ehemalige Volontärin aus Sicht der Auszubildenden. Voraussetzungen für ein Volontariat sind laut Anne Luers ein abgeschlossenes Hochschulstudium, journalistische Erfahrung und persönliche bzw. soziale Faktoren (starke Nerven, Durchsetzungsvermögen, Authentizität, ehrliches Interesse) wichtig. Während eines Volontariats beim WDR gibt es praktische Seminare, z.B. wie man einen Fernsehbeitrag aufbaut. Zudem durchlaufen die Volontäre einzelne Stationen im WDR, dabei hat der oder die Volontär/in die Auswahl zwischen den Stationen. Besonders beliebt seien 1LIVE oder die tagesschau, so Kathage-Miosga. Bewerben kann man sich beim WDR am besten über die Website. Die Ausbildungsmöglichkeiten seien dabei weit gestreut, so biete der WDR auch Ausbildungen in technischen Berufen an. Eine gute Mischung aus Vorbereitung, Übung und Offenheit sei wichtig, so Kathage-Miosga: „Vorbereitung schadet nichts. Man muss sich aber immer bewusst machen, dass es alles ganz anders kommen kann.“ Andrea Kathage-Mioska rät zudem allen Medieninteressierten, das “Wunschfach” zu studieren und sich nicht von Zweckdenken leiten zu lassen
Elisabeth Neumann erläutert, dass man crossmedial, also in verschiedenen Medienbereichen Praxiserfahrungen sammeln sollte. Ihr sei persönlich wichtig, dass angehende Medienschaffende sich darüber klar werden, wo ihre Leidenschaft liegt. „Neugier, Leidenschaft und Flexibilität, mit ein bisschen Talent gepaart“, das sind die wichtigsten Eigenschaften in der Ausbildungsphase, der Rest ergebe sich von selbst, so die Autorin und Regisseurin. Freie Sender suchen immer Leute mit „Esprit“ und Leidenschaft“. Wichtig sei vor allem der sogenannte „unique selling point“, also die Besonderheiten und spezifischen Interessen, die die Bewerber/innen auszeichnen. Kreativität werde bei der Bewerbung belohnt, außerdem sollte man gut informiert sein über das Unternehmen, für das man sich bewirbt.

Jenny Jung (Mediencluster NRW) über Xing, Twitter und Facebook, links im Bild: Jutta Klebon (ver.di)
Jenny Jung studierte Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaften und berichtet vor allem über das Verhältnis von Ausbildung und Praxis. Auch sie betont die Bedeutung von Eigeninitiative und praktischen Erfahrungen. Zu ihrer jetzigen Ausrichtung kam sie sogar erst über praktische Erfahrungen: “Es ist wichtig, dass man nie auslernt, da die Medienbranche sehr schnelllebig ist.” Praktika und freie Mitarbeit seien auch gut, um herauszufinden, was man nicht will.”
Jutta Klebon betont die Vielfalt der möglichen Medienberufe. “Unterschiedliche Medienberufe erfordern dabei auch unterschiedliche Begabungen, man ist schnell verleitet, nur die großen und bekannten Medienberufe, z.B. Journalismus, als solche zu erkennen.” Auch eher technische Berufe wie Tontechniker gehörten jedoch zum Spektrum, und es sei wichtig, nach eigenen Interessen zu forschen und dementsprechende Praxiserfahrungen zu machen. Laut Klebon sind außerdem soziale Kompetenz und Teamfähigkeit wichtig, aber auch Disziplin und die Fähigkeit, unter Zeitdruck zu arbeiten.
Festanstellung versus Freiberuflichkeit
Frau Klebon spricht an, dass Festanstellungen schwinden und freie Mitarbeiter in großem Umfang die journalistische Arbeit in den Redaktionen verrichten. Man müsse sich also darauf einstellen, evtl. als „Freiberufler“ tätig zu sein und die soziale Absicherung im Auge behalten. Wichtig sind ihrer Ansicht nach außerdem die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Gleichzeitig wählen auch immer mehr Kulturschaffende die Freiberuflichkeit, da sie teilweise größere kreative Freiräume bietet. Für Jenny Jung ist die Freiberuflichkeit allerdings auch eine Typfrage. In der Freiberuflichkeit verschwämmen z.B die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben.
Frauen in den Medien
Die Referentinnen diskutieren auch über die Rolle der Frauen in den Medien und die Frage der Gleichberechtigung. Elisabeth Neumann ist der Meinung, dass Frauen in den Medienberufen, speziell in Führungspositionen, nach wie vor unterrepräsentiert sind. “Das liegt vor allem daran, dass viele Mediendeals oft ‘an der Biertheke’ geschlossen werden, so Neumann, hier könnten (und wollten) Frauen nicht mithalten.
Jutta Klebon spricht sich nicht uneingeschränkt für Frauenquoten aus. Gleiche Qualifizierung müsse sein, jedoch müssten Frauen hier den Vorzug erhalten. „Quote ist kein Makel“, das müsse noch erkannt werde.
Vier erfolgreiche Medienfrauen auf dem Panel: die Moderatorin Bettina Böttinger, Bella Lesnik von 1LIVE, die Geschäftsführerin der Blue Byte GmbH, Odile Limpach, und die Geschäftsführerin der Filmstiftung NRW, Petra Müller. Sie berichten von ihrem Werdegang und Berufsalltag, diskutieren Einstiegsmöglichkeiten, Karrierechancen und natürlich auch das Thema Gleichberechtigung am Arbeitsplatz.
Als junge Frau hätte sie auch überlegen müssen, wo sie hinwolle und was sie machen wolle, berichtet Bettina Böttinger. Ein zweifelhaftes Kompliment, das ihr ein Kollege zu Anfang ihrer Karriere gemacht hatte, war, sie sei der “Phaenotyp Frau”, der gebraucht würde – kinderlos, ledig und sehr belastbar. Die Frage nach der Gleichberechtigung stelle sich besonders ab dem Zeitpunkt, an dem Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Beruf und Familie unter einen Hut bekommen müssten. In ihrer Produktionsfirma arbeiten jeweils zur Hälfte Frauen und Männer, und sie versuche, möglichst flexible Arbeitszeiten zu ermöglichen. “Meine Erfahrung als Chefin ist, dass ich sehr viel zurückbekomme von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.”
Bella Lesnik berichtet von ihrem abgebrochenen Lehramtsstudium, ihrem Einstieg in die Radioarbeit und ihrem Alltag als freie Journalistin. Nach einem Praxistest als Vertretungslehrerin in der Schule habe sie gemerkt, dass das Lehramtsstudium “zwar super war, ich aber nicht mehr jeden Morgen in die Schule gehen wollte und als Lehrerin unglücklich würde.” Also: “was mit Medien”, Wartesemester fürs Studium sammeln und ein erstes Schnuppern mit Praktika beim Radio. Eine spannende Arbeit, aber: “Man hat nie Feierabend. Darauf muss man Lust haben.”
Mut zu Fehlern und Mut zur Lücke
Petra Müller hat in ihrer Laufbahn mehrfach die Richtung (Agentur für strategisches Marketing, Projektleiterin im Grimme-Institut und schließlich die Selbstständigkeit) gewechselt und meint schmunzelnd, ihr sei vielleicht schnell langweilig. Aus einer Station habe sich immer eine interessante Frage entwickelt, wie zuletzt z.B. die Frage, warum der Medienstandort NRW sein Potenzial nicht richtig ausschöpft und hinter Berlin zurückgefallen ist. Viele Junge, Kreative seien nach Berlin gegangen, weil sie “hungrig” waren und gezwungen, etwas auf die Beine zu stellen, um schließlich Geld zu verdienen. Es sei ihre Aufgabe, diese Kreativität jetzt nach NRW zurückzulocken.

v.l.n.r.: Petra Müller (Filmstiftung NRW), Odile Limpach (Blue Byte GmbH), TV-Moderatorin Bettina Böttinger und Bella Lesnik (1LIVE)
Odile Limpach, Management-Direktorin des Entwicklerstudios Blue Byte, bringt Familie und Karriere unter einen Hut und genießt die spannende Arbeit in einem schönen und schnelllebigen Markt. Es sei ein großer Vorteil der Medien, dass sich die Medienlandschaft ständig weiterentwickelt und damit auch die eigene Tätigkeit: “Man muss offen sein für Neues.”
Die 30-Jährigen haben heute nicht mehr solche Probleme wie die Ansagerin Wiebke Bruhns, die vor 40 Jahren Anfeindungen ausgesetzt war, erläutert Petra Müller. Viele Frauen seien aber immer noch zu schüchtern, müssen lernen, nach vorne zu gehen und sich zu zeigen, unempfindlicher werden und sich auch mal streiten, so die Geschäftsführerin der Filmstiftung NRW: “Probiert aus, macht Fehler, setzt Euch Ziele.” Sie habe immer das machen können, was sie machen wollte.
Quereinstieg und Praktika
“Weiblicher Nachwuchs wird beim Radio immer gesucht”, berichtet die Moderatorin Bella Lesnik. Es gebe weniger Frauen als Männer beim Radio, “warum auch immer”. Aus dem Publikum kommt die Frage nach den Anforderungen als Moderatorin. “Es ist nicht so, dass man sich zwei Stunden hinsetzt und etwas erzählt”, so Lesnik. “Bevor ich ins Studio gehe, habe ich die Nachrichtenlage gecheckt, und wenn die Ansage ist, dass in zehn Minuten eine Live-Schalte zu einem Korrespondenten stattfindet, darf man sich davon nicht nervös machen lassen und einen Heulkrampf bekommen.” Eine gute Portion Belastbarkeit und Nervenstärke sind also nötig, aber dafür dürfe man/frau eben wirklich arbeiten und nicht nur zuschauen. Sie habe bereits im Praktikum eine Sendung moderiert, es gebe kein monatelanges Sprech- und Moderationstraining, bevor man moderiert.
Es gibt keinen Königsweg in einen Medienberuf. Die Referentinnen sind sich einig, dass der Quereinstieg eher die Regel als die Ausnahme ist. Viel wichtiger sei, so Petra Müller, dass man bereit ist, sich auf Neues einzulassen.
Odile Limpach empfiehlt Praktika, z.B. in mittelständischen Unternehmen. Ihre Praktikanten bekämen sehr interessante Aufgaben und würden nach dem Studium oft bei ihnen einsteigen. Medienberufe wirken oder scheinen oft anders, als sie tatsächlich sind, und es gibt viele verschiedene Berufsbilder. In ihrer Firma gebe es u.a. Softwareentwickler, Grafiker oder Marketingexperten. Praktika seien sehr gut, um herauszufinden, ob der Beruf tatsächlich passt.
Ein wichtiger Punkt: Arbeitsbedingungen. Bettina Böttinger thematisiert, wie sich die Arbeitsbedingungen in Zeiten hohen Kostendrucks teilweise sehr nachteilig entwickeln. Die Konkurrenz zwischen den Kollegen steige, “das stört den Teamgeist”. Sie empfiehlt, sich dennoch nicht beirren zu lassen und strukturelle betriebliche Entscheidungen wie befristete Verträge so gut es geht auszublenden.
Wirkliche Benachteiligungen als Frau im Beruf hat keine der vier erfahren. Schwierig wird es ihrer Ansicht nach erst, wenn Familie und Beruf vereinbart werden müssen. Dann stellt sich die Frage, wer die Sendung während der Babypause weitermoderiert und wie es mit dem Wiedereinstieg klappt.
Die Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien NRW, Dr. Angelica Schwall-Düren, berichtet von den Problemen, die die Moderatorin Wiebke Bruhns vor 40 Jahren hatte. Sie wurde sehr dafür kritisiert, den heimischen Herd verlassen zu haben. In ihrer Rede sagt sie: “Wir leben in einem Bundesland, in dem sich Frauen bis ganz nach oben arbeiten konnten.” Als Beispiele nennt sie die WDR-Intendantin Monika Piel, die Geschäftsführerin von RTL, Anke Schäferkordt, oder die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.
Aber auch, wenn sich die Situation für Frauen wesentlich verändert habe , stellten sich für berufstätige Frauen sehr grundlegende Fragen – nach dem Gehalt, den Wiedereinstiegsmöglichkeiten nach einer Babypause und den generellen Karrierechancen. “Die Debatte über Gleichberechtigung ist deshalb wichtig, auch weil dies immer noch die Ausnahme ist.” Der Politik stehe es nicht zu, Lebenswege und Ziele von Menschen zu beurteilen, Politik müsse aber die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass jede und jeder wirkliche Wahlmöglichkeit hat. Sie sei sehr froh, so Schwall-Düren, “dass wir viele Frauen gewonnen haben, die von ihrem Erfolg und ihren Erfahrungen in den Medien erzählen und Ratschläge aus erster Hand geben können.”
Die Medienfrauen sind da – gleich geht es los! Im KOMED, hier auf der Website und bei Twitter unter #mefrau
Uwe Kammann, der Direktor des Grimme-Instituts, begrüßt die Teilnehmerinnen – Medienfrauen und Medienfrauen in spé. “Frauen an der Spitze der beiden größten Sender in Nordrhein-Westfalen, inzwischen auch bei der Filmstiftung NRW und nicht zuletzt beim Medienministerium selbst: Das ist natürlich ein starkes Signal für mediale Frauen-Power”, so Kammann. Es habe sicher mit der besonderen Fähigkeit zur Kommunikation zu tun, weshalb Frauen gerade in der Medienbranche – oder auch in der Kunst – so erfolgreich sind.
Die Veranstaltung heute solle zeigen, so Kammann weiter, “wie’s geht und was es gibt, um in der eminent zukunftsträchtigen Medienbranche erfolgreich zu sein und den richtigen Platz zu finden.” Das sei “Orientierung pur, nicht nur für den Beruf, sondern für die ganze Persönlichkeit.”
Für Elfi Scho-Antwerpes, Bürgermeisterin der Stadt Köln, verweist auf die Erfolge der Frauenbewegung und auf die aktuelle Diskussion um eine Frauenquote in Unternehmen. Es gehe weiter darum, “die völlige Gleichstellung von Frau und Mann tatsächlich zu realisieren.” Die Strukturen der Gesellschaft seien nach wie vor besser auf Männer eingestellt. Sie fragt: “Warum wagen wir es oft nicht, unsere Träume wahr werden zu?” und rät, den Blick zurück und den ständigen Vergleich mit Anderen einfach mal zu lassen. “Die Leidenschaft, für das, was wir tun, macht den Unterschied in unserer Ausstrahlung und in unserer Fähigkeit, erfolgreich zu sein” appelliert sie an das Publikum.
Jenny Jung: “Vor nicht allzu langer Zeit stand ich selbst vor der Entscheidung, was nach der Schule kommen sollte. Da hätte mir eine Veranstaltung wie diese bestimmt geholfen, denn die Medienbranche ist ständig in Bewegung und bietet die unterschiedlichsten Ausbildungswege und Berufsbilder. Ich bin mehr oder weniger zufällig in einem medienwissenschaftlichen Studium gelandet. Bereut habe ich es nicht, denn meine Arbeit macht mir heute viel Spaß. In Medienberufen bieten sich tolle Chancen für den Nachwuchs. Deswegen freue ich mich darauf, jungen Frauen und Mädchen etwas über meinen Job und meine Ausbildung erzählen zu dürfen.” Jenny Jung twittert von der Veranstaltung, zu sehen unter: http://twitter.com/#!/mefrauIntendantin Monika Piel hat die vor 20 Jahren begonnene Frauenförderung im Westdeutschen Rundfunk als Erfolg gewertet. „Heute sind fast 50 Prozent der Beschäftigten Frauen. Auch ihr Anteil in Führungspositionen ist gewachsen, unsere Geschäftsleitung ist sogar paritätisch besetzt“, sagte sie anlässlich der Vorstellung des aktuellen Berichts der WDR-Gleichstellungsbeauftragten im Rundfunkrat. Ungeachtet des Erreichten dürfe der Sender in seinem Engagement für eine aktive Förderung von Frauen nicht nachlassen. Mehr zu dieser Mitteilung lesen…