Okt 292018
 

mit Brigitte Schröder, Beraterin für Gründer und Selbstständige 

IMG_6010

Bildrechte: Jorczyk / Grimme-Institut

Brigitte Schröder begrüßt die vielen Teilnehmerinnen und zeigt ihnen zunächst ein Bild. Das Bild ist sehr komplex und vielschichtig. Karriere und Berufsfindung sind ähnlich komplex, merkt Schröder an. Dabei ist der Wunsch nach einer einfachen Antwort für komplexe Situationen sehr hoch!

Anhand des „Cynefin-Frameworks“ erläutert Schröder einfache, komplizierte, komplexe und chaotische Situationen.

Eine einfache Situation hat eine Ursache, die eine Wirkung erzeugt.

Komplizierte Situationen kennzeichnen sich dadurch aus, dass nicht klar zu erkennen ist, welche Ursache welche Wirkung erzielt. Bei komplexen Situationen wissen wir teilweise gar nicht, was Ursache und was Wirkung ist. Schröder fragt, wie die Teilnehmerinnen solche Situationen lösen würden. Es sollte zunächst sortiert und dann analysiert werden, meinten einige Teilnehmerinnen. Eine Teilnehmerin würde die Situation in kleine Abschnitte teilen, um sich einen Überblick zu schaffen. Brigitte Schröder klärt auf: Wenn es zu einer komplexen Situation kommt, ist Probieren gefragt. Dann könne man wahrnehmen, was sich verändert und entsprechend agieren (emergent practise). 

Bildrechte: Jorczyk / Grimme-Institut

Heute im Panel wurde auch deutlich: Karriere ist kein Schema! Schröder stellt zur Hilfestellung eine Leit- und Orientierungsmethode vor, um Stabilität zu erlangen. Sie nennt sie „individuelles Lebensunternehmertum“: Komplexität reduzieren, Entscheidungen unter Unsicherheit treffen, eigene Vorstellungen und Möglichkeiten strukturieren, unternehmerisches Denken und Handeln entwickeln.  

Schröder fragt die Teilnehmerinnen, was sie sich unter Zufriedenheit vorstellen. „Das Gefühl zu haben, etwas selber zu tun und dafür auch Anerkennung zu bekommen“, meinte eine der Teilnehmerinnen. Schröder merkt an, um Zufriedenheit zu erlangen, muss ein aktiver Prozess stattfinden – Zufriedenheit kommt nicht von alleine. Zufriedenheit kann erlangt werden, indem Können, Wollen und Dürfen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinanderstehen. Hat eine Arbeitskraft die Fähigkeiten und will diese auch einsetzen, darf es aber nicht, kann Unzufriedenheit entstehen. Es braucht also den Dreiklang. Welche Rolle habe ich? Kenne ich meine Kompetenzen und Präferenzen? Das Bewusstsein der eigenen Rolle, der eigenen Kompetenzen und Präferenzen verleihen Stabilität und somit Zufriedenheit.

„Kennt ihr eure Präferenzen?“, fragt Schröder und führt einen kleinen Test mit den Teilnehmerinnen durch. Alle sollen zunächst ihre Vor- und Nachnamen einmal mit der üblichen Schreibhand aufschreiben und anschließend mit der anderen. Letzteres stellte sich wesentlich komplizierter dar, was durch ein verzweifeltes Lachen im Raum zu hören war. „Das sind Präferenzen, ihr schreibt lieber mit der Schreibhand“, sagt Brigitte Schröder.

Wie fühlen sich Präferenzen an? Kommen sie eher aus einer inneren Motivation (intrinsische Motive) oder äußerlichen (extrinsische Motive)? Orientiere ich mich an Themen oder an Personen? Hier erreicht der Workshop das Thema Passung, worunter auch der eigene Stil fällt.

IMG_6021

Bildrechte: Jorczyk / Grimme-Institut

Der eigene Stil kann sich an Themen, Veränderung, Personen und Stabilität orientieren. Die Teilnehmerinnen sollen sich selbst analysieren, indem sie sich im Raum aufteilen und sich dort positionieren, wo sie sich selber einschätzen würden. „Ich liebe die Veränderung, ich mag es einfach, vielen neuen Menschen zu begegnen, die alle ihre Ideen einbringen“, sagt eine der Teilnehmerinnen. Eine andere Teilnehmerin erzählt, dass sie sich früher eher der themenorientierten Gruppe eingeordnet hätte, aber durch die Geburt ihres Kindes ihr Stil immer mehr personenorientiert wurde.  

Jeder Mensch hat seinen eigenen Stil, und ein gelungenes Zusammenarbeiten im Team funktioniert, wenn das Bewusstsein über den eigenen Stil vorhanden ist, und auch darüber, dass sich Stile verändern können. Vieles hängt auch vom eigenen Kontext ab: Leistungskultur, Teamkultur, Prozesskultur und Familienkultur beeinflussen die Passung jedes Menschen.

Zum Abschluss stellt Schröder das neue Unternehmertum vor. Daran angeglichen stellen sich bei der heutigen Berufsplanung für jede(n) die Fragen: Welche Ressourcen benötige ich, um ein Ziel zu erreichen? Welche Verluste bin ich bereit zu akzeptieren, wenn ich Ideen verfolge? Wer bin ich? Was kann ich? Wen kenne ich?

Wer sich also bewusst ist, in welchen Rollen, mit welchem Stil er sich wohlfühlt, kann sich besser in die eigene, ganz individuelle Karriere begeben.

Dokuteam, Autorin: Christina Pagés

 Posted by at 15:35

Sorry, the comment form is closed at this time.