Okt 292018
 

mit Sabine Hahn, Medienwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt „Frauen in der Spieleindustrie“

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Bildrechte: Jorczyk / Grimme-Institut

Sabine Hahn begrüßt die kleine Teilnehmergruppe zum Workshop. Von sich erzählt die promovierte Medienwissenschaftlerin sowie zertifizierte Trainerin (IHK) und Business Coach (BDVT): „Ich bin als Quereinsteigerin in die Gameindustrie gekommen und zwar durch ein Praktikum im Vertrieb von Mobile-Content.“ Seitdem hat sie zahlreiche Erfahrungen in der Computer- und Videospiele-Industrie gesammelt und ist seit 2013 selbstständig.

Wichtig für den Einstieg in die Spieleindustrie ist der eigene USP: Was kann ich, was andere nicht können, was können andere, was ich nicht kann? Es ist wichtig, sich über die eigenen Fähigkeiten bewusst zu werden, denn gerade die Spieleindustrie ist ein zukunftsträchtiger Arbeitgeber. Doch welche Perspektiven gibt es?

Diese Frage haben sich scheinbar alle Teilnehmerinnen gestellt. Sabine Hahn versucht Klarheit zu schaffen und einen Überblick zu geben, auch wenn dieser zunächst wie ein Dämpfer wirkt: Die Gameindustrie bietet eine Vielfalt an Jobs, jedoch besteht der größte Teil aus den Standardbereichen: Grafik, Programmierung und Informatik.

Wer sich in einem dieser Bereiche auskennt, sollte versuchen, sich in kleinen Entwicklerstudios zu bewerben, denn schließlich erhalten dort die Menschen erfahrungsgemäß mehr Verantwortung und haben eine größere Bandbreite an Tätigkeiten.

Bei großen Studios, wie beispielsweise E.A. oder Ubisoft, konzentrieren sich die Jobs meistens auf einen bestimmten Arbeitsbereich und bieten wenigen bis keinen Spielraum zur freien Entfaltung von Fähigkeiten.

Die Flexibilität zeigt sich auch in den Verdienstmöglichkeiten: In kleinen Studios gibt es bei der Verhandlung von Gehältern einen größeren Spielraum als in großen Unternehmen. Doch unabhängig von der Größe der Unternehmen verdienen ProgrammiererInnen besser als Menschen in sogenannten „Corporation-Jobs“, wie zum Beispiel Juristen oder Menschen aus dem Sales und Marketing Bereich, die in der Spieleindustrie arbeiten. Zudem gibt es auch in der Spieleindustrie einen Gender Pay Gap, merkt Sabine Hahn an.

Doch neben den sehr unterschiedlichen Verdienstchancen gibt es noch weitere Hürden, wie zum Beispiel die „Crunch Time“: Da Spieleentwicklung meist ein projektbezogenes Geschäft ist, gibt es in „heißen“ Phasen auch Open-end-Arbeitszeiten, in denen zwei Wochen am Stück durchgearbeitet wird.

Umso wichtiger ist es, sich selber zu fragen: „Was ist meine Motivation? Warum will ich in die Spieleindustrie?“. Früher hätte man auf diese Fragen noch mit: „Weil ich gerne spiele!“ antworten können, doch heutzutage reicht das nicht mehr aus. Es benötigt ausschlaggebende Qualifikationen. 

Deshalb ist es unabdingbar, up-to-date zu bleiben. Sabine Hahn nennt verschiedene Portale, auf denen man sich über neuste Entwicklungen in der Gameindustrie und über mögliche Bildungsmöglichkeiten informieren kann. Außerdem merkt sie an, dass das richtige Netzwerk und gute Networking-Arbeit dazugehören, um erste Kontakte in die Spieleindustrie zu erhalten.

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Bildrechte: Jorczyk / Grimme-Institut

Nach dem Input stellt eine Teilnehmerin die Frage, in welchem Bereich man sich spezialisieren muss, um einen Zugang in den Bereich Storytelling zu erhalten. Sabine Hahn erzählt, dass es große Unternehmen gibt, die spezielle Abteilungen dafür haben. Große Online-/Browser-Gaming-Unternehmen wären eine gute Anlaufstelle – einfach anrufen, sich vorstellen und fragen, ob man in das Unternehmen reinpasst, ist ein Tipp von Sabine Hahn.

Eine andere Teilnehmerin fragt, warum sich Frauen so wenig für Games interessieren. Ob dies an der Technik liege, oder ob dies aufgrund der eher männlich dominierten Inhalte so sei? Sabine Hahn findet diese Frage auch äußerst spannend und merkt an, dass Videospiele keine „boy-toys“ mehr sind. Es hat sich etwas in der Gamesbranche gewandelt: „Wir sind mitten in der qualitativen und quantitativen Entwicklung von Games drin“. Es gibt schon heute eine größere Produkt- und Charaktervielfalt in Spielen als vor fünf bis zehn Jahren und die Entwicklung hat noch nicht aufgehört.

Im Cologne Game Lab der TH Köln sind fast 50 % der Studierenden im Bereich Programmierung Frauen. Der nächste Schritt sei es, dass Frauen von der Ausbildung in den Job kommen müssen, das passiert noch recht selten.

Netzwerke und Networking:

http://gamesindustrynetwork.com/ – Kostenlose Mitgliedschaft möglich. Erfahrt hier Neuigkeiten über Events und Jobs, vor allem im internationalen Umfeld.
http://www.gamescom.de/ – Events wie beispielsweise die Gamescom bieten einen idealen Einblick in die Videospielindustrie und ermöglichen es, erste Kontakte zu möglichen Arbeitgebern zu knüpfen.

Bildung:

https://www.ausbildungskompass-games.de/ – Auskünfte über die Jobs in der Gamesbranche, hilft bei der Suche.
http://uni-koeln.de/ – Der Studiengang „Medienwissenschaften“ bietet einen akademischen Weg in die Spielebranche.
http://www.colognegamelab.de/ – Bachelor- und Masterprogramme der TH Köln im Bereich Games.
http://www.sae.edu/deu/de – Bieten kompakte Lehrgänge im Gamesbereich an.

Jobs:

https://www.gamesjobsdirect.com/ – Gibt einen Überblick über Jobs in der Gamesbranche. Sortiert Jobs nach Kategorien und Regionen.

Up-to-Date:

https://www.gameswirtschaft.de/ – Das Magazin der Spieleindustrie. Aktuelle Nachrichten aus der Gamesbranche.

Dokuteam, Autorin Christina Pagés

 Posted by at 16:25

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