Okt 292018
 

mit Verena Lammert, Redakteurin „Mädelsabende“, und Farah Schäfer, Presenterin „Mädelsabende“

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Bildrechte: Jorczyk / Grimme-Institut

Das sieht man bei Instagram normalerweise. Und genau das will Mädelsabende nicht. Der Instagram-Account des WDR erreicht eine 55k große Community und das nicht mit einer heilen Glitzerwelt, sondern mit authentischen Themen aus der echten Welt. Die verantwortliche Redakteurin des Kanals, Verena Lammert, und eine der vier Presenterinnen, Farah Schäfer, stellen in dem Workshop ihr Projekt vor und geben Tipps, wie man die Plattform Instagram für journalistische Zwecke nutzen kann.

„Start-Up-Atmosphäre beim WDR” – so beschreibt Verena Lammert ihr junges Team bei Mädelsabende. Es besteht aus vier Presenterinnen, Clare, Naina, Angelina und eben der Referentin des Workshops Farah Schäfer. Außerdem wird das Team durch Rechercheure unterstützt, die bei den Vorbereitungen der Themenwochen mitarbeiten. Die Themen sind häufig feministisch geprägt und drehen sich um alles, was damit zusammenhängt. Feminismus ist für Mädelsabende eine Grundeinstellung: Sie wollen Vorbilder zeigen und alle Perspektiven miteinbeziehen, egal ob männlich oder weiblich, sondern menschlich.

Bis die erste Story im Oktober 2017 online ging, war es ein holpriger Weg. Verena Lammert, verantwortliche Redakteurin, hat viele Social-Media-Konzepte geschrieben, doch es war schwierig. „Feminismus, Frauenthemen oder Social Media kommen oft nicht durch.“ Erst der „Verjüngungstopf“ des Intendanten des WDR ermöglicht das Projekt. Mittlerweile gehört der Kanal zu funk, dem Onlinenetzwerk der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Dieses Netzwerk ermöglicht dem Mädelsabende-Team häufigere Posts, mehr Qualität und ein größeres Team – laut Verena Lammert läutet dies die Phase Zwei des Projekts nach der Start-Up-Phase ein.

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Bildrechte: Jorczyk / Grimme-Institut

Das Konzept: Eine Woche, ein Thema, eine Presenterin. Täglich werden Stories und Posts im Feed produziert. Das Besondere – es handelt sich dabei um journalistischen Content. Das Team versucht den Spagat zwischen Informieren und Ansprechhaltung. Sie wollen Informationsmedium und beste Freundin zugleich sein. Das Wichtigste an ihrer Arbeit ist es, die Community zu erreichen und die Themen, die sie interessiert, mit in das Programm aufzunehmen. Das Mädelsabende-Konzept: Der Austausch mit der Community, indem jede Nachricht beantwortet wird.

Stories sind laut Verena Lammert und Farah Schäfer bei Instagram mittlerweile wichtiger als der Feed selbst, da sie neue Storytelling-Formate ermöglichen. Das Konzept von täglichen Instagram Stories gibt die Möglichkeit, sieben verschiedene Perspektiven eines Themas zu beleuchten. Dabei schöpft der Mädelsabende-Kanal alle Storyformen aus, um seine Themen zu präsentieren, wie die Reportage, das Interview, die Umfrage oder den Kommentar. Deutlich wird: Auch mit Instagram lassen sich klassische journalistische Gattungen umsetzen – und dafür braucht man nur ein Smartphone.

Am Ende des Workshops durften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Fragen an das Mädelsabende-Team stellen. Die meisten wollten wissen: Wie sieht der Alltag bei Mädelsabende aus? Für Farah Schäfer gibt es keinen klassischen Arbeitsalltag, da jeder Tag andere Aufgaben mit sich bringt. Und das sei auch das Spannende. Der Groove müsse noch gefunden werden und auch die persönlichen Ansprüche steigen, aber im Dreiwochen-Rhythmus dreht sich bei ihr alles um Instagram. 

Bildrechte: Jorczyk / Grimme-Institut

Bei einer Plattform, welche schnelllebig und oberflächlich scheint, stellt sich im Publikum auch die Frage der journalistischen Sorgfaltspflicht. Diese werde nach Verena Lammert aber eingehalten, da jedes Skript redaktionell von ihr abgenommen wird und das Team seine Arbeit transparent macht. Allerdings kann sie nicht jedes einzelne Video mit Tafel abnehmen, sodass sie ihrem Team auch Vertrauen entgegenbringt.

Bei einem Jahr Mädelsabende und rund 50 Themen, die bis jetzt behandelt wurden, kommt natürlich auch die Frage auf, ob die Angst besteht, dass irgendwann der Content ausgeht. Verena Lammert und Farah Schäfer lachen und geben an, noch mindestens zehn Knallerthemen in der Hinterhand zu haben, die durchschlagen werden. Das wichtigste Ergebnis des Projekts Mädelsabende ist die Community – und diese schlägt Themen am laufenden Band vor. Es werden eher mehr als weniger. Und Frau TV, die „große Schwester“ von Mädelsabende läuft schließlich auch schon seit 20 Jahren – Themen gibt es also genug.

Dokuteam, Autorin: Nadine Aniol

 Posted by at 16:14

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