Okt 292018
 

mit den Referentinnen:

IMG_5757

Bildrechte: Jorczyk / Grimme-Institut

  • Lena Krumkamp, Drehbuchautorin
  • Verena Lammert, Redakteurin „Mädelsabende“
  • Inga Mathwig, freie Journalistin beim NDR
  • Fabienne Hurst, freie Journalistin beim WDR, u.a. „Docupy“
  • Elisabeth Raßbach, Filmeditorin

Zur Eröffnung des Panels bittet Bella Lesnik die Medienfrauen 2018 auf die Bühne.

Im Rahnmen der Eröffnungsfrage bittet Bella Lesnik um eine kurze Vorstellungsrunde und um die Schilderung eines typischen Arbeitstages, quasi als Minipraktikum für die Teilnehmerinnen.

IMG_5704

Bildrechte: Jorczyk / Grimme-Institut

Lena Krumkamp beginnt und berichtet von ihrer aktuellen Arbeit an einem Kinofilm und einem Fernsehfilm, bei denen passenderweise nur Frauen in Hauptrollen mitwirken. Das Schreiben selbst ist im Arbeitsablauf häufig einsam, aber dieser Phase schließen sich zahlreiche Treffen mit vielen Menschen an, das kann turbulent sein.

Verena Lammert erzählt über die Entstehung des Format Mädelsabende, das sie mit erfunden hat. Sie checkt als erstes am Morgen alle Social-Media-Kanäle, spricht mit den Beteiligten im Team, plant dann Themen und versucht als Redakteurin, den Überblick zu behalten. Es geht weiter mit zahlreichen Mails und auch Konferenzen.

IMG_5719

Bildrechte: Jorczyk / Grimme-Institut

Fabienne Hurst bedauert, dass es eigentlich gar keinen geregelten Ablauf bei ihr gibt. Zur Zeit arbeitet sie an der zweiten Staffel des Formats “Ungleichland” mit dem Titel “Heimatland”, das 2019 erscheint. Ansonsten verbringt sie sehr viel Zeit am Telefon, redet mit Leuten (auch vor Ort) und kommt auf diese Art und Weise raus aus der eigenen Community.

Elisabeth Raßbach arbeit frei für verschiedene Firmen, an verschiedene Orten. Sie sichtet dabei Material, arbeitet mit Regisseur(inn)en zusammen und verbringt viel Zeit in dunklen Räumen mit Rechern und Bildschirmen. So entstehen Geschichten aus Ton, Bild und Musik.

Inga Mathwig hat teilweise sehr anstrengende Tage. Sie ist viel unterwegs, erlebt spannende Geschichten. Die Arbeitstage sind häufig sehr lang. Der Job ist kein regulärer Job und man braucht viel Leidenschaft für diesen Beruf.

Frage: Häufig ist der Weg in die Medienbranche nicht stringent. Die Panelistinnen werden gebeten, den eigenen Weg in die Medien zu schildern.

Lena Krumkamp hat Pädagogik / Medienpädagogik studiert, gekellnert, ein Praktikum in einer Werbeagentur absolviert, viele TV-Spots gedreht und ein Masterstudium im Bereich Drehbuch absolviert. Seitdem schreibt sie Filme, ist selbständig tätig, und ein Agent kümmert sich um ihre Verträge. In ihrer Arbeit entwickelt sie Ideen, verkauft diese und wird dann bezahlt für ihre Arbeit. Eine Vorleistung ist dabei häufig notwendig.

Verena Lammert wollte eigentlich Journalismus studieren, scheiterte jedoch am NC und studierte daraufhin Kulturwissenschaften. Nebenbei hat sie konstant Praktika gemacht. Nach ihrer Erfahrung braucht man immer einen Bekannten in der Branche, der weiterhilft. Studiumbegleitend absolvierte sie ein Volontariat. Sie sagt, man muss Glück haben, aber auch gut vorbereitet sein. Zudem ist auch räumliche Flexibilität notwendig.

Fabienne Hurst hörte immer wieder: “Mach was richtiges.” Studiert hat sie Literatur, Kunst und Medien, was sie rückblickend nicht noch einmal aussuchen würde. Heute würde sie eher etwas im Bereich der Allgemeinbildung studieren. Nebenbei hat sie immer sehr viel für die Zeitung gearbeitet und Praktika absolviert. Ihrer Meinung nach muss man nicht unbedingt studieren, freie Arbeit hingegen hält sie für sehr wichtig. Sie war zudem an einer Journalistenschule, die sehr praktisch orientiert war. Wichtig ist für sie immer die Frage gewesen: “Was lese ich selbst eigentlich gern?” Entsprechend rät sie: “Lest Zeitung und Bücher. Findet heraus, warum ihr etwas mögt.” Ein hohes Maß an Eigeninitiative ist zudem wichtig.

IMG_5735

Bildrechte: Jorczyk / Grimme-Institut

Elisabeth Raßbach hat einen ähnlich nicht-stringenten Ausbildungsweg. Sie hat sehr viel ausprobiert. Ihre Eltern haben sie dabei sehr unterstützt. Sie hat im Theater hospitiert, in Produktionsfirmen gejobbt, viele Geschichten erzählt und diverse Praktika abgeleistet. Dann hat sie ihre Faszination für den Schnitt entdeckt und bei einer Filmeditorin als Schnittassistentin gelernt. Heute gibt es ein entsprechendes Studium mit dem Titel “Schnitt Montage”. Der Schnitt von dokumentarischen Werken liegt ihr besonders in der Filmedition.

IMG_5744

Bildrechte: Jorczyk / Grimme-Institut

Inga Mathwig wusste nach dem Abi gar nicht, was sie machen sollte. Es sollte etwas mit Sprache sein, vielleicht Journalismus. Nach einem Praktikum in einer Redaktion war jedoch klar, dass es doch nicht das Richtige ist. Sie landete am Literaturinstitut für kreatives Schreiben, arbeitete für ein Stadtmagazin, machte PR, arbeitet in der NDR-Online-Redaktion. Zu Beginn hat sie sich auch mal für einen Job beworben, ohne die erforderlichen Kenntnisse im Schnitt-Programm zu haben. Sie hat Learning by Doing betrieben und Youtube-Tutorials angesehen, während sie bereits an ihren Aufgaben arbeitete. Das Volontariat kam erst später. Sie sagt, dass es oft hilft, zu pokern und einfach mal zu machen und sich nicht zu unterschätzen. Die Arbeit in der Medienbranche ist kein Hexenwerk.

Frage: Die anwesenden Frauen werden gebeten, zu berichten, ob sie als Frau Hürden in der Medienbranche erlebt haben.

Lena Krumkamp sagt, dass sie dies bereits mehrfach, insbesondere in der Werbeagentur, erlebt hat. Dort waren nur männliche Chefs. Die Grenze für Frauen begann ab der Ebene des Kreativdirektors. Positiv schätzt sie anonymisierte Bewerbungsverfahren. Positiv und gleichzeitig negativ ist, dass in ihrem Bereich aktuell Frauen gesucht werden, manchmal jedoch als Quotenfrau.

Frage: Sieht man dem medialen Produkt an, dass Frauen es produziert haben?

Verena Lammert sind gemischte Teams wichtig. Unterschiedliche Perspektiven fördern den Austausch. Für Frauen ist es dabei wichtig, dass sie auch mal Nein sagen können und sich nicht für jeden Schrott verkaufen.

Frage: Halten die Panelistinnen einen Frauenquote für sinnvoll?

Fabienne Hurst sagt ja. Die Quote beschleunigt den Prozess und bringt das Thema dauerhaft in die Öffentlichkeit. Wichtig ist, dass es nicht dazu führt, dass sich die Verhältnisse umkehren. Frauen sollten zudem ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen und sich besser verkaufen.

Inga Mathwig sagt, dass man in der journalistischen Arbeit als Frau häufig nicht als Bedrohung wahrgenommen wird und dies bei Interviews helfen kann. Es geht jedoch nicht um das Bezirzen des Gegenüber, sondern darum, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Zugänge haben.

Lena Krumkamp verweist darauf, dass auch Frauen anderen Frauen häufig unterstellen, dass sie Jobs auf inoffziellem Weg bekommen.

Inga Mathwig hat einen Beitrag über Erfahrungen beim NDR im Umgang mit Sexismus erstellt. Sie sagt, dass man gerade jetzt die aktuelle Atmosphäre nutzen sollte und sich unter Frauen ernst nehmen und schätzen sollte und auch anderen Frauen Raum für ihre Entfaltung geben sollte.

IMG_5711

Bildrechte: Jorczyk / Grimme-Institut

Verena Lammert sagt, dass die Quote gut ist, jedoch zusätzlich die Arbeitsstrukturen und die darin enthaltenen Machtstrukturen diskutiert werden müssen.  Frauen gehen häufig über die betreuende Arbeit (Kinder und Pflege von Angehörigen) im Arbeitsmarkt verloren. Flexiblere Strukturen sind wichtig.

Lena Krumkamp hofft, dass es immer mehr Frauen in der Medienbranche werden und die Situation auf diese Art und Weise besser wird. Frauen sollten zudem Ausgrenzungen bei männlich dominierten Netzwerken direkt ansprechen.

Fabienne Hurst betont die Wichtigkeit der Förderung von Frauen für Frauen in der Medienbranche.

Elisabeth Raßbach bestätigt, dass Netzwerke super sind und es wichtig ist, sich unter Frauen auch einmal gegenseitig Jobs zuzuschieben.

Eine kurze Umfrage unter den Panelstinnen zeigt, dass nur die Moderatorin Bella Lesnik ein Kind hat.

Frage: Zum Abschluss werden alle um einen Tipp für das Publikum gebeten.

Inga Mathwig rät, die eigenen Ziele im Blick zu behalten und nicht aufzugeben. Auch ein späterer Einstieg in den Journalismus ist möglich.

Fabienne Hurst gibt einen Ratschlag weiter, den sie selber von einer Frau mit auf den Weg gegeben bekommen hat: Sie müssen nicht geliebt werden, Sie müssen respektiert werden! Zudem sagt sie, dass die jungen Frauen sich berufliche Felder suchen sollen, in denen sie sich ausprobieren können.

Verena Lammert rät: Sucht Euch einen Mentor.

Lena Krumkamp empfiehlt, den eigenen Weg zu suchen, denn es gibt nicht den einen richtigen Weg in die Medienbranche. Ein Einstieg in die Medienbranche geht auch später. Die Anwesenden werden noch lange genug arbeiten.

 Posted by at 15:11

Sorry, the comment form is closed at this time.