Medienfrauen NRW 2014: Panel 2

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mf-2014_0368„Der Weg in die Medien – Hinweise zu Bedingungen und Voraussetzungen in der Ausbildung“

Am Anfang einer Karriere in der Medienbranche steht meistens eine Ausbildung. Über die verschiedenen Wege in die Medien sprechen im zweiten Panel Meike Wiggers (Bildungsreferentin der sk stiftung jugend und medien), Gesa Marten (Cuttterin und Dozentin), Aycha Riffi (Leiterin der Grimme-Akademie) und Bettina Blass (freie Journalistin und Dozentin). Moderiert wird die Runde wieder von Bella Lesnik.

Zum Einstieg geht es um den Berufsalltag. Das Wort stiftet bei Bettina Blass aber Verwirrung: „Arbeitsalltag?“ fragt sie lachend: „Ich hab keinen Alltag!“ Ihre Tage gestalten sich immer anders, als Dozentin ist sie der „Alleinunterhalter“ vor Studenten, diese Tage müsse sie vorbereiten. Darüber hinaus arbeitet sie als freie Verbraucherjournalistin, wofür sie viele Stunden recherchiert und dann ihre Artikel schreibt. Zur Verbraucherjournalistin wurde sie, als sie durch Zufall einen Kontakt beim ZDF WISO-Magazin bekam und dort in die Redaktion aufgenommen wurde. Seit 12 Jahren ist sie jetzt freiberuflich tätig und immer noch sind die Verbraucherthemen ihr Schwerpunkt, damit verdient sie vor allem ihr Geld. Aber nur das zu machen, sei ihr zu langweilig gewesen, deswegen widmet sie daneben auch anderen Projekten. So hat sie zum Beispiel mit dem „Ehrenfeldreporter” mal ein Stadtteilmagazin gegründet. Aktuell beschäftigt sie das „Projekt Digitalien“.

mf-2014_0318Meike Wiggers’ Arbeit bei der Stiftung ist sehr vielfältig. Ihre Hauptaufgabe ist die Konzeption von Angeboten, die Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz vermitteln sollen. Ihr Lieblingsprojekt ist im Moment der „Jobtester“. Dabei können 15- bis 20-Jährige verschiedene Jobs ausprobieren. Das Angebot richtet sie vor allem nach der Nachfrage aus. Die Top drei der geäußerten Berufswünsche seien immer noch Moderation fürs Fernsehen, Moderation fürs Radio und Journalistin. Für das Projekt braucht sie immer Partner. Ihre Aufgabe ist es, diese zu finden.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Podiumsteilnehmerinnen arbeitet sie bei der Sitftung in einer klassischen Festanstellung mit einem geregelten Alltag. Ursprünglich wollte sie aber eigentlich mal Kunsttherapeutin werden. In ihren jetzigen Job sei sie auch durch Zufall gekommen.

mf-2014_0327Die Grimme-Akademie, deren Leiterin Aycha Riffi ist, bietet viele verschiedene Seminare im Medienbereich – Film und Fernsehen ist dabei der Schwerpunkt. Eine Besonderheit hat die Akademie, denn sie hat keinen Etat. Daher müsse sie sich immer  Partner suchen, mit denen sie die Veranstaltungen durchführt. Im Mai gibt es beispielsweise ein mehrtägiges Seminar in Kooperation mit dem Deutschlandradio zum Thema Medienjournalismus in Köln.

Gesa Martens erklärt, dass sie eigentlich drei verschiedene Berufe hat: Sie ist Cutterin, Dramaturgin und Hochschullehrerin. Als Editorin – so heißt der Beruf des Cutters seit einigen Jahren -, so erklärt sie, arbeitet sie den ganzen Tag in einem dunklen Raum an dem jeweiligen aktuellen Filmprojekt. Pro Jahr schneidet sie höchstens zwei Filme, weil die Projekte vor allem bei Dokumentarfilmen sehr lange dauern. Als Dramaturgin steht sie vor allem jungen Filmemachern beratend zur Seite in der Schnittgestaltung. Zu ihrem Beruf gehören auch viele Reisen, vor allem weil sie in Köln lebt und an der Hochschule in Potsdam lehrt. Seit sie denken kann, habe sie unterrichtet im Hochschulkontext. Anfänglich kleinere Sachen, dann immer mehr, bis sie sich auf Professuren beworben habe. Martens mag ihren Beruf sehr und wirbt bei den Teilnehmerinnen dafür! Anfänglich habe sie selbst keinen Schimmer gehabt, was eine Cutterin macht, aber dann habe sie sich informiert, durch Glück eine Cutterin getroffen und gefragt: „Was tust du denn hier?“. Durch sie hat sie die Möglichkeit bekommen, ein Schnittsystem auszuprobieren und eine Begeisterung fürs „Geschichten bauen“ zu entwickeln.

mf-2014_0353Bei der Frage nach dem Sinn einer Frauenquote sind sich Gesa, Aycha und Bettina einig: Eine Frauenquote ist derzeit leider immer noch absolut notwendig! Strukturelle Probleme könne man nur mit Strukturen bekämpfen und die bringe die Quote, so Riffi. In der Bildungslandschaft, in der sie tätig ist, herrsche das Problem des Frauenmangels hingegen gar nicht, erklärt Wiggers. Auch Bella spricht sich als Befürworterin der Quote aus.

Deutlich wird im Gespräch, es gibt nicht DEN einen Ausbildungsweg, der in die Medienbranche hineinführt. „Ich finde dieses ‘irgendwas mit Medien’ gut und ok“, man müsse kreuz und quer gucken und sich ausprobieren, erklärt Riffi. Das Angebot an Studiengängen sei riesig und werde zunehmend noch differenzierter.

Ein Merkmal der Branche ist die Freiberuflichkeit. Das sei vor allem eine „Typsache“, ob man das mag oder nicht, so Marten. Sie selbst kenne die Festanstellung gar nicht. „Man muss einfach wissen, was man will und kann“, rät sie jeder Teilnehmerin für sich selbst herauszufinden. Die Filmbranche sei auf jeden Fall die Branche, die am schlechtesten bezahlt. Sie selbst nimmt das in Kauf, weil sie ihren Beruf liebt und rät dazu, das zu machen, was man mag. Dieser Einstellung stimmt auch Riffi zu: „Jede muss für sich feststellen, hab ich darauf Bock oder eher nicht.“ Einen richtigen Tipp zu geben, sei da schwer. Auf dem Weg in die Medienbranche könne eine Menge an Steinen liegen. Alle Frauen sind sich aber einig, dass Rückschläge einen meistens weiter nach vorne bringen. Blass spricht für ihren eigenen Berufszweig und sagt, dass Journalisten auch einen Unternehmergeist brauchen. Dort sei es recht einfach, sich selbstständig zu machen. Festanstellungen würden auch in dem Bereich zunehmend weniger. Aber „wenn man sein Ding findet, kann man sehr gut selbstständig verdienen“. Marten empfiehlt dazu, die eigene Spur des Interesses zu professionalisieren: Das eigene Interesse wichtig zu nehmen, zu gucken, was tue ich eigentlich wirklich, was engagiert mich eigentlich wirklich.

mf-2014_0306Die Frage nach der richtigen Bewerbung ist dabei auch nicht eindeutig zu beantworten. Riffi erzählt aus ihrem Berufsalltag mit einem Augenzwinkern, dass sie mittlerweile erkennen könne, wo der Bewerber gelernt hat, Bewerbungen zu schreiben. Wichtig sei, sich zu erkundigen, wo man sich bewirbt. Darüber sind sich alle Podiumsteilnehmerinnen einig. Die Medienbranche ist nicht so formal wie beispielsweise die Bankbranche. Außerdem rät sie, die Lebensläufe nicht zu lang zu gestalten, sondern sich auf das Wichtigste zu beschränken. Wichtig sei vor allem, das eigenen Interesse zu verdeutlichen. „Nehmt zu den Firmen, wo ihr euch bewerbt, Stellung“. Sie ermutigt die Teilnehmerinnen auch dazu, sich zu erkundigen und in den Betrieben anzurufen und Nachfragen zu stellen.

mf-2014_0292Bettina Blass macht in dem Zusammenhang Werbung für den djv nrw, wo es viele Infos zum Thema Bewerbung gebe. Im Journalismus sei das Anschreiben die erste Arbeitsprobe. Auch sie betont, sich auf das Wichtigste zu beschränken. Für den Aufbau der eigenen Marke könne man vor allem Facebook und Twitter nutzen, rät sie.

Besonders wichtig, betont Marten, ist es, Netzwerke zu schaffen. Leute kennenzulernen, zum Beispiel bei Festivals oder anderen Branchenveranstaltungen, sei da A und O. Deswegen ermutigt sie die Teilnehmerinnen, auf Leute zuzugehen.
Nachfrage einer Teilnehmerin zu Bewerbungen, was es genau heißt, sich auf das Wichtigste in den Bewerbungen zu beschränken: Blass antwortet, dass etwa ein sechswöchiges Praktikum mehr Gewicht habe als ein zweiwöchiges. Eine Bewerbung soll zeigen, was man kann, ohne aber „anzugeben“, so Riffi.

Bella Lesnik beschließt das zweite Panel mit einem ermutigenden Appell an die Teilnehmerinnen: “Macht was aus eurer Zukunft – vielleicht ja auch was mit Medien”.


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2 Comments

Projekt Digitalien: Autostitch und One Note getestet » Wirtschaft verstehen! · 24. März 2014 at 15:55

[…] Freitag blieb das Projekt Digitalien geschlossen, weil ich bei den Medienfrauen NRW etwas über mein Journalistenleben erzählt habe. Für mich war es großartig, dass mich […]

Projekt Digitalien: Halbzeit » Wirtschaft verstehen! · 28. März 2014 at 12:01

[…] „Z wie Abwegiges“ vor, Andrea Lueg interviewt mich fürs Deutschlandradio, auf dem Podium beim Medienfrauen NRW darf ich das Projekt Digitalien kurz […]

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