Workshop 1: Journalismus

Veröffentlicht von admin am

mfr-2013_0324Priya Bathe und Christina Wandt stellen unterschiedliche Arbeitsbereiche im Journalismus vor.
Als erstes geht es um den Weg in die Freiberuflichkeit.

Priya Bathe (Freie Journalistin)
Als Einstieg weist Bathe darauf hin, dass 70 Prozent aller Journalisten Freiberufler sind, und zeigt eine Präsentation mit zahlreichen Informationen.

„Freiberuflich zu arbeiten bedeutet den Schritt in die Unternehmensgründung.“
„In die Künstlersozialkasse zahlt man abhängig von dem ein, was man erwirtschaftet, und ist durchgehend versichert.“
„Wichtig ist, dass ihr euch in irgendeinem Bereich zum Experten macht.“
„Wichtig ist auch, dass man bestehende Kontakte zu Redaktionen auch aufrecht erhält. Die persönlichen Kontakte sind wahnsinnig wichtig.“

Buchtipp: Das WDR-Dschungelbuch http://www.wdr-dschungelbuch.de/

Zunächst geht es um die Berufsvoraussetzungen:

Abgeschlossenes Studium
Der klassische Weg:

  • Praktika
  • Studentenjob
  • Volontariat

Der “steinige” Weg

  • Freie Autorentätigkeit
  • Förderprogramme (WDR Talentwerkstatt)
  • Hospitationen
  • Trainee

Wichtig ist es, bei beiden Wegen Arbeitsproben zu generieren!

Um eine Volontariatsstelle im Rundfunk zu bekommen, müssen alle Bewerber ein Assessment Center durchlaufen. Das AC setzt sich aus drei Runden zusammen:

  1. Runde: Reportage einreichen,
  2. Runde: Wissenstest,
  3. Runde: Gespräch vor Kommission.

Das Volontariat ist trimedial und dauert 18 Monate.

Im zweiten Schritt geht es um Informationen zur Betriebsgründung:

  • Hinzunahme eines Unternehmensberaters für Medienberufe (Frank Böhm),
  • Information über Gründerzuschuss Arbeitsamt,
  • Auseinandersetzung mit Steuernummer, Finanzamt, Umsatzsteuer etc.,
  • Suche eines Steuerberaters,
  • Anmeldung bei Künstlersozialkasse,
  • Anmeldung beim Presseversorgungswerk.

Wichtig ist zu wissen: Selbstständigkeit heißt Unternehmertum

Im dritten Schritt geht es um die Notwendigkeit, Aufträge zu generieren:

  • Fachgebiete bilden,
  • Newsletter breit gefächert sowie im Spezialgebiet abonnieren,
  • bestehende Kontakte zu Redaktionen aufrechterhalten,
  • Blindangebote an Redaktionen schicken,
  • feste freie Tätigkeiten anstreben,
  • persönliche Kontakte stärken, denn diese öffnen Türen.

Vorteile der Öffentlich-Rechtlichen sind:

  • Honorare sind fest geregelt
  • Ab 42 Tagen Beauftragung im Laufe der zurückliegenden sechs Monate erhält man Anspruch auf 30 Urlaubstage, Urlaubsgeld, Krankengeld etc.

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Als interessante Netzwerke und Verbände werden benannt:

 

Frage aus dem Publikum: Was spricht gegen eine Festanstellung?
Es gibt kaum Festanstellungen im Bereich des Journalismus. Insofern ist es ein Muss, sich mit oben Genanntem auseinanderzusetzen.

Christina Wandt (WAZ)
mfr-2013_0362Wandt hat studiert und währenddessen für die Studentenzeitung gearbeitet. Hinzu kamen ein Auslandsaufenthalt und nach Abschluss des Studiums ein Praktikum in der Lokalredaktion (Pauschalistenstelle, Feste Freie, Stadtteilzeitung). Anschließend ging es zum Volontariat zur WAZ. Wichtig waren immer Arbeitsproben. Dem folgten diverse Stellen sowohl in der Lokalredaktion als auch im Berliner Büro der WAZ.  

Nach dem Praktikum in der Essener Lokalredaktion der WAZ kam Christina Wandt an eine Pauschalistenstelle, also als feste Freie. „Ich habe ganz, ganz großes Glück gehabt.“ Danach absolvierte sie ein Volontariat.

Arbeitsproben: „Ein ganz wichtiger Punkt ist, viele Artikel zu haben, um zu zeigen, dass man eine gewisse Bandbreite abdeckt.“

Während es in der Großstadt zu viele Themen gab, war das in der Provinz anders. „Man muss offen sein, sehr beweglich und auf die Leute zugehen.“

„Die großen Ressorts sollte jeder kennengelernt haben.“

Im Berliner Büro der WAZ teilten sich die drei Korrespondenten auf die verschiedenen Ministerien auf. „Hier muss man sich schon spezialisieren.“

„Da war mein Tageswerk auch erst einmal, die Süddeutsche, die FAZ und auch die BILD durchzuarbeiten. Das ist völlig anders als im Lokaljournalismus. Dort ist man vor Ort die Hoheit.“ In der Bundespressekonferenz können 100 Kollegen noch wenig sein.

In ihrer Zeit in London musste sie auch wieder alles machen „Da muss man in der Lage sein, über die politischen Entscheidungen zu berichten, aber auch Ereignisse im Königshaus einordnen können.“ „Deswegen muss man auch diese Wissenstests machen. Das sind keine Schikanen.“ Das muss man dann aktuell wissen, ohne zu googeln.

mfr-2013_0410Tageswerk war dabei immer das Studium aktueller Zeitungen wie bspw. Süddeutsche Zeitung, FAZ, Bild-Zeitung etc. Zudem ist es wichtig, ein Profil in der Redaktion zu haben und somit in Erinnerung zu bleiben. Kontakte sind notwendig, die Arbeitszeiten sind häufig rund um die Uhr. Dementsprechend ist die Familienfreundlichkeit nicht hoch und der Wiedereinstieg entsprechend schwierig. Auch ist es notwendig, alle Themen zu machen von Politik bis Tratsch.

Im Anschluss nennt Wandt Fragenbeispiele für den Wissenstest im Rahmen des Assessment Centers. Die Fragengebiete sind vielfältig aber machbar, vorausgesetzt, dass man regelmäßig Zeitungen liest und sich auf den Test vorbereitet. Die Fragebögen gibt es im Internet.

Beispielfragen:

  • z. B. zum Mars-Roboter Curiosity.
  • Wo sind die nächsten olympischen Spiele?
  • Wer ist der nordrhein-westfälische Finanzminister?

PB: Man muss sich mit regionalen Spezifika der Redaktion auskennen.

CW: „Man muss das beantworten können, wenn man im letzten halben Jahr aufmerksam Zeitung gelesen hat.“ „Wenn man da schlecht ist, wäre das schon ein Ausschlusskriterium.“

„Es gibt bei uns immer wieder angehende Volontäre, die sagen, sie lesen keine Zeitung. Das ist sehr, sehr schlecht.“

PB: Wissenstest WDR und Deutsche Welle: „Ich hatte eine Tapetenwand Mindmaps.“ „Man muss auch dann Sportsachen wissen, wenn man sonst eine absolute Sportniete ist.“

Frage:
Print scheint ein aussterbendes Medium zu sein. Wäre es also evtl. sinnvoller, sich im Onlinebereich zu bewerben?

Wandt: Die Zeitungskrise ist da und es wird deutlich gekürzt. Man muss zudem auch immer  online arbeiten.
Bathe: Der Printbereich ist immer noch klasse, das Praktikum ist wichtig, die Bezahlung ist jedoch sehr unterschiedlich von Print und bspw. Hörfunkbeitrag.

Frage:
Wann sollte man sich für ein Volontariat bewerben?

Wandt: Die normale Altersspanne ist zwischen 24 und 30 Jahren. Den einen Weg gibt es jedoch nicht, auch eine frühere Bewerbung kann erfolgreich sein. Wichtig ist, dass man praktisch und selbstständig arbeiten kann. Man kann immer überzeugen mit dem, was man macht!

Wandt: Je nach Thema ist es vielleicht schwierig, wenn man sehr jung ist, aber es gibt auch Themen, die man besonders gut als junger Mensch bearbeiten kann. Zunächst einmal sollte man die Redaktion um eine Einschätzung bitten.

Frage:
Gibt es Teilzeitpraktika?
Wandt:  Eigentlich nicht, da man in den Redaktionen Leute braucht, die immer verfügbar  und entsprechend von morgen bis abends einsetzbar sind.

Frage:
Fernsehen als Arbeitsstelle. Wie kommt man dorthin?

Bathe: Bezüglich des Fernsehens führt kein Weg am Volontariat vorbei. Man muss flexibel sein.
Bathe: Das Handwerk ist wichtig!

Frage:
Kann  man auch ein Praktikum bei der Zeitung machen in der Schulzeit?

Wandt: Eigentlich nicht. Das Vorbeigehen in Redaktionen lohnt sich hier jedoch manchmal. Selbstständigkeit ist wichtig. Denn Zeitdruck ist immer da. Praktikum ist kein betreutes Arbeiten.

Frage:
Wie sieht es mit der Praktikumsdauer aus?

Wandt: Bei Schülern beträgt die Praktikumszeit zwei Wochen, ansonsten ist ein Monat plus sinnvoll.

Bathe: Schreibt und wenn es nur ein eigener Blog ist. Informiert Euch, wo man etwas  machen kann mit dem Ziel, Arbeitsproben zu bekommen.

Wandt: „Vor nix fies sein.“ Für alle Themen Engagement einbringen.

Frage: Ich habe keine Erfahrungen im Handwerk Film und Radio. Gibt es Möglichkeiten, hier reinzuschauen?

Bathe: Der WDR bietet Hospitationen an, zudem sind Blindbewerbungen immer wichtig und auch häufig erfolgreich. Nehmt die WDR-Website als Infoquelle.

Es lohnt sich.
Flexibilität wird auch künftig immer wichtiger.
Selbstständigkeit wird immer gängiger.

CW: „Es ist immer total wichtig, dass man sich bekannt macht.“

CW: „Unser tägliches Geschäft ist es, Texte sehr, sehr schnell zu schreiben.“

PB: „Ganz wichtig ist wirklich: schreibt! Auch wenn es nur ein Blog ist.“ „Arbeitsproben sind das A und O.“

CW: „Auch kleine Texte zählen bei uns furchtbar viel“, z. B. die „Frage des Tages“.

PB: „Blindbewerbung kann funktionieren. Das passiert ganz, ganz oft.“

PB: „30 Prozent vom Honorar zur Seite legen, das ist die Steuer; 20 Prozent sind die Sozialabgaben.“

 

Cathrin Bengesser & Julia Wilms

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