Mrz 152011
 

v.l.n.r.: Elisabeth Neumann (Medienzentrum Rheinland), Dr. Andrea Kathage-Miosga und Anne Lührs (beide WDR)

Shary Reeves diskutiert mit  Anne Luers vom WDR (Aus- und Fortbildung), Dr. Andrea Kathage-Miosa (WDR), Elisabeth Neumann, freie Autorin und Regisseurin, Jenny Jung (Mediencluster NRW) und der gelernten Schriftsetzerin Jutta Klebon (ver.di).

Netzwerke

Reeves betont zu Anfang des Panels, wie wichtig es ist, Veranstaltungen zu besuchen, Kontakte zu knüpfen und sein Netzwerk zu pflegen. Frauen hätten besonders im Bereich Netzwerken einiges nachzuholen, so Anne Luers: „Sie können da gar nicht zu viel machen“, sagt die Ausbilderin. Dabei sei Mut und Eigeninitiative wichtig. “Mit dem Netzwerken kann man gar nicht früh genug anfangen”, sagt Jenny Jung. Sie betont außerdem die Wichtigkeit von online-Netzwerken (XING, Facebook, Twitter etc.). Besonders für die Medienbranche sei die Arbeit mit diesen Netzwerken extrem wichtig, so auch Elisabeth Neumann.

Jenny Jung betont, dass im Umgang mit Online-Netzwerken Vorsicht geboten ist: man sollte nicht alles ins Netz stellen, denn im schlimmsten Fall lässt sich nichts mehr löschen. “Die Privatsphäre muss geschützt werden.”

Praktika, Volontariate etc.

Wie funktioniert die Ausbildung und was muss man mitbringen? Anne Luers und Andrea Kathage-Miosga berichten von den Ausbildungsmöglichkeiten beim WDR. Dabei spricht Anne Luers aus der Perspektive der Ausbilderin, Kathage-Miosga als ehemalige Volontärin aus Sicht der Auszubildenden. Voraussetzungen für ein Volontariat sind laut Anne Luers ein abgeschlossenes Hochschulstudium, journalistische Erfahrung und persönliche bzw. soziale Faktoren (starke Nerven, Durchsetzungsvermögen, Authentizität, ehrliches Interesse) wichtig. Während eines Volontariats beim WDR gibt es praktische Seminare, z.B. wie man einen Fernsehbeitrag aufbaut. Zudem durchlaufen die Volontäre einzelne Stationen im WDR, dabei hat der oder die Volontär/in die Auswahl zwischen den Stationen. Besonders beliebt seien 1LIVE oder die tagesschau, so Kathage-Miosga. Bewerben kann man sich beim WDR am besten über die Website. Die Ausbildungsmöglichkeiten seien dabei weit gestreut, so biete der WDR auch Ausbildungen in technischen Berufen an. Eine gute Mischung aus Vorbereitung, Übung und Offenheit sei wichtig, so Kathage-Miosga: „Vorbereitung schadet nichts. Man muss sich aber immer bewusst machen, dass es alles ganz anders kommen kann.“ Andrea Kathage-Mioska rät zudem allen Medieninteressierten, das “Wunschfach” zu studieren und sich nicht von Zweckdenken leiten zu lassen

Elisabeth Neumann erläutert, dass man crossmedial, also in verschiedenen Medienbereichen Praxiserfahrungen sammeln sollte. Ihr sei persönlich wichtig, dass angehende Medienschaffende sich darüber klar werden, wo ihre  Leidenschaft liegt. „Neugier, Leidenschaft und Flexibilität, mit ein bisschen Talent gepaart“, das sind die wichtigsten Eigenschaften in der Ausbildungsphase, der Rest ergebe sich von selbst, so die Autorin und Regisseurin. Freie Sender suchen immer Leute mit „Esprit“ und Leidenschaft“. Wichtig sei vor allem der sogenannte „unique selling point“, also die Besonderheiten und spezifischen Interessen, die die Bewerber/innen auszeichnen.  Kreativität werde bei der Bewerbung belohnt, außerdem sollte man gut informiert sein über das Unternehmen, für das man sich bewirbt.

Jenny Jung (Mediencluster NRW) über Xing, Twitter und Facebook, links im Bild: Jutta Klebon (ver.di)

Jenny Jung studierte Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaften und berichtet vor allem  über das Verhältnis von Ausbildung und Praxis. Auch sie betont die Bedeutung von Eigeninitiative und praktischen Erfahrungen. Zu ihrer jetzigen Ausrichtung kam sie sogar erst über praktische Erfahrungen: “Es ist wichtig, dass man nie auslernt, da die Medienbranche sehr schnelllebig ist.” Praktika und freie Mitarbeit seien auch gut, um herauszufinden, was man nicht will.”

Jutta Klebon betont die Vielfalt der möglichen Medienberufe. “Unterschiedliche Medienberufe erfordern dabei auch unterschiedliche Begabungen, man ist schnell verleitet, nur die großen und bekannten Medienberufe, z.B. Journalismus, als solche zu erkennen.” Auch eher technische Berufe wie Tontechniker gehörten jedoch zum Spektrum, und es sei wichtig, nach eigenen Interessen zu forschen und dementsprechende Praxiserfahrungen zu machen. Laut Klebon sind außerdem soziale Kompetenz und Teamfähigkeit wichtig, aber auch Disziplin und die Fähigkeit, unter Zeitdruck zu arbeiten.

Festanstellung versus Freiberuflichkeit

Frau Klebon spricht an, dass Festanstellungen schwinden und freie Mitarbeiter in großem Umfang die journalistische Arbeit in den Redaktionen verrichten. Man müsse sich also darauf einstellen, evtl. als „Freiberufler“ tätig zu sein und die soziale Absicherung im Auge behalten. Wichtig sind ihrer Ansicht nach außerdem die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Gleichzeitig wählen auch immer mehr Kulturschaffende die Freiberuflichkeit, da sie teilweise größere kreative Freiräume bietet. Für Jenny Jung ist die Freiberuflichkeit allerdings auch eine Typfrage. In der Freiberuflichkeit verschwämmen z.B die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben.

Frauen in den Medien

Die Referentinnen diskutieren auch über die Rolle der Frauen in den Medien und die Frage der Gleichberechtigung. Elisabeth Neumann ist der Meinung, dass Frauen in den Medienberufen, speziell in Führungspositionen, nach wie vor unterrepräsentiert sind. “Das liegt vor allem daran, dass viele Mediendeals oft ‘an der Biertheke’ geschlossen werden, so Neumann, hier könnten (und wollten) Frauen nicht mithalten.

Jutta Klebon spricht sich nicht uneingeschränkt für Frauenquoten aus. Gleiche Qualifizierung müsse sein, jedoch müssten Frauen hier den Vorzug erhalten. „Quote ist kein Makel“, das müsse noch erkannt werde.

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