Nov 032016
 

mefrau2016-0272Seit 2010 leitet Aycha Riffi die Grimme-Akademie und befasst sich mit Themenschwerpunkten wie „Migranten in den Medien“, „Frauen und Medien“ und Hatespeech im Netz. Immer wieder beobachtet sie, wie Frauen und junge Medienmacherinnen über Klischees und Vorurteile aufgrund ihres Geschlechts stolpern.

Ziel des Workshops soll ein Austausch zum Thema „Bild der Frau in den Medien“ sein. Hierbei sollen Wünsche, Ziele und Vorstellungen der Teilnehmerinnen formuliert und festgehalten werden. Welche Stolpersteine erleben sie in ihrem Alltag und in den Medien? Wie kann man das Bild der Frauen in den Medien ändern? Und wie soll dieses Bild aussehen?

Die Darstellung und Rolle der Frau in den Medien hat sich in den letzten 20 Jahren zum Positiven verändert. So übernehmen Frauen immer häufiger tragende Rollen in Filmen. Trotzdem besteht, laut Riffi, weiterhin Handlungsbedarf. Auf die Frage, wieso die Teilnehmerinnen diesen Workshop ausgewählt haben, sind sich die meisten einig: Frauen nehmen in den Medien immer noch nicht die Rolle ein, die sie einnehmen sollten. Sie sind unterrepräsentiert und dienen häufiger der Sexualisierung als eine Vorbildfunktionen einzunehmen. Eine Teilnehmerin sieht sogar eine Verschlechterung innerhalb der letzten Jahre. Auch in Bezug Hatespeech sind es vor allem Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund, die die Leidtragenden sind. Phrasen wie „Für ein Mädchen bist du ja echt gut“ finden sich häufig im Alltag von Frauen wieder.

Auf die Frage, was gute Medien denn ausmache, antwortet Aycha Riffi: „Das Gütesiegel ‚richtig, relevant und vollständig’ verdienen Medienprodukte nur dann, wenn diese der Gecshlechterdimension gerecht werden.“

mefrau2016-0263In einem nächsten Schritt sollen die Teilnehmerinnen in kleinen Gruppen überlegen, in welchen medialen Bereichen ein falsches oder überspitztes Bild der Frau wiedergegeben wird. So fehle es an genderneutraler Betitelung verschiedener medialer Berufsfelder. Aber auch die Darstellung der Frau als Mängelwesen wird kritisiert. Ebenfalls fehlen den Workshopteilnehmerinnen „Role Models“, mit denen sich Frauen und Mädchen identifizieren können: In den Medien seien nur zwei Typen von Frauen vorzufinden – die der Mutter und die des Models. Angemerkt wird ebenfalls die Genderzuschreibung in der Werbung: So werde Werbung häufig genderspezifisch eingesetzt.
Eine andere Teilnehmerin sieht Handlungsbedarf in der deutschen Comedywelt: „Gerade was man sich bei der Comedy rausnimmt, ist erschreckend.“ Noch immer werden dort sexistische und frauenfeindliche Programme produziert.

Aycha Riffi stellt heraus, dass sich in der Filmwelt bereits viel getan habe. Am Beispiel der öffentlich-rechtlichen Krimis verdeutlicht Aycha Riffi, dass sich die Rolle der Frau als Assistentin des Kommissars in den letzten Jahren hin zur Kommissarin verändert hat. Frauen nehmen demnach immer häufiger tragende Rollen ein. Trotzdem sorgen Blockbuster wie „Ghostbusters“ immer noch für Aufschreie:Die weibliche Besetzung der Hauptrollen wurde sogar Inhalt des aktuellen Wahlkampfs.

Zum Ende des Workshops werden zwei Trailer gezeigt, die nicht unterschiedlicher sein könnten – „Big Short“ und „Suffragettes“. Beide Trailer setzen gezielt genderspezifische Rollen ein, um ein bestimmtes Publikum zu erreichen. Aycha Riffi hält fest: Es wird bewusst die Entscheidung getroffen, die Filme genderspezifisch zu machen.
Es sei jedoch Aufgabe der Teilnehmerinnen, die zukünftig in den Medien arbeiten werden, mit alten Rollenklischees zu brechen und sich zu trauen, aus Geschlechterordnungen und -zwängen auszubrechen.

Autorin: Judith Kirberger

 Posted by at 17:20

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