Mrz 132013
 

mfr-2013_0372Ihre zwei unterschiedlichen Wege in die Filmbranche zeigen Bettina Braun (Filmregisseurin und -produzentin) und Katharina Tillmanns (Transmedia Autorin, Game-Designerin und Producerin) im Workshop „Bewegte Bilder“.

Constant change is here to stay“ – Ein erster Weg zum Beruf Filmemacherin

Vor ihrem Studium in London entschied sich Bettina Braun gegen eine Schauspielkarriere. Nach einem ersten Orientierungsstudium arbeitete sie ihre Mappe aus und begann ihr Studium des Grafikdesigns am Central St. Martin’s College Anfang der 90er Jahre. Schon dabei merkte sie, dass sie das Bewegtbild mehr interessierte als die reine Grafik. Als Abschlussarbeit produzierte sie Trickfilme. Im Anschluss arbeitete sie als Grafikerin für interaktive CD-Roms in London und absolvierte Praktika bei Filmproduktionsfirmen. Damals begann auch ihr Interesse am Dokumentarfilm. Ihr Studium an der Kölner Kunsthochschule für Medien schloss sie mit ihrem ersten erzählerischen Film ab, der auch vom WDR angekauft wurde. Darauf folgten freiberufliche Tätigkeiten beim WDR. 1998/99 entstand gefördert von „Produktion 2“ der Filmstiftung NRW ein weiterer Dokumentarfilm „Frauen sind im Wesen anders…“

2000 folgte dann die Gründung der Firma Filmdokument mit Britta Wandaogo. Gemeinsam entstanden Filme für verschiedene Auftraggeber, z. B. Industrieunternehmen. Sich zusammen zu tun, Partner zu finden, rät Bettina Braun jungen Filmemacherinnen. Ebenso von Vorteil ist das Networking, z. B. bei LaDOC, einem Film-Netzwerk für Frauen (www.ladoc.de), bei dem man sich austauschen und Mitarbeiter finden kann. Auch für Katharina Tillmanns ergab sich ihre Karriere durch Netzwerktreffen. „Das ist wirklich eines der wichtigsten Elemente von Austausch, auch wenn man das z. B. an der Filmhochschule nicht lernt.“ Der berufliche Austausch bedeutet sich zu unterstützen, voneinander zu lernen und sich gegenseitig Jobs zu vermitteln, fasst Bettina Braun zusammen.

Beim Thema Familie und Beruf machte Bettina Braun, Mutter zweier Söhne, die Erfahrung, dass diese Zeit für viele Frauen den Karriereknick bedeutet. „Ich kann Ihnen nur raten, dass Sie dabei wachsam sind.“ Denn die Kindererziehung kostet Kraft, die dann an anderer Stelle fehlt. Diesen zusätzlichen Raum muss man sich gesellschaftlich erkämpfen.

 mfr-2013_0426Thematisch kreisen die Filme von Bettina Braun um die Fragen: Wo gehöre ich hin? Was bin ich wert? Wie werde ich wahrgenommen? Die Themen ihrer Filme müssen etwas in ihr hervorrufen: „Ich merke, dass ich dabei ganz viel von mir preisgebe.“ Ihr neues Projekt wird ein Spielfilm werden. Der Durchbruch als Regisseurin war für Bettina Braun der Dokumentarfilm „Was lebst du?“, den sie 2002 selbst zu drehen begann und mit Unterstützung des Kleinen Fernsehspiels des ZDF 2004 fertigstellen konnte. Danach entstanden zwei weitere Filme als Fortsetzung. Mittlerweile produziert sie auch Dokumentarfilme mit und ist nicht ausschließlich als Regisseurin tätig.

Ihr Wissen teilt Bettina Braun als Dozentin z. B. an der FH Lippe & Höxter. Sie rät, sich zu öffnen und Wissen abzugeben, denn das kommt zurück. Eine Haupteinnahmequelle, denn „Dokumentarfilm sucht seine Geschichte und das braucht Zeit – Zeit, die nicht honoriert wird.“ Zum Dokumentarfilm gehört nicht nur der Dreh, auch die Idee, der Zeitplan, das Budget, an das man kommen muss, der Dreh muss organisiert werden, nach dem Dreh folgen Postproduktion, Schnitt usw. Oft entstanden ihre Filme „in Personalunion“ als Kamerafrau, Regisseurin und Cutterin, was viele Situationen erst ermöglichte. Hinter die Kulissen des Dokumentarfilms kann man auch bei den Projekten dokyou http://dokyou.de/ und dokmal schauen. Für dokyou produzierte Bettina Braun 2009 den Film „Nick und Tim“ http://www.planet-schule.de/dokmal/vorhang_auf_film_ab/nick_tim/ .

Bye bye Selbsterfüllung, hello Handwerk“ – Ein zweiter Weg

Katharina Tillmanns wählte den Weg über ein Studium der Medien- und Theaterwissenschaften in Bochum. Dabei war aber auch immer der Drang praktisch zu arbeiten. Nach dem Bachelor wurde sie auch an der Filmschule in Köln angenommen. Aber Katharina Tillmanns machte deutlich, dass es nicht nur darum geht, an einer Filmhochschule die Form zu lernen, sondern auch das zu finden, was man erzählen möchte.

mfr-2013_0428Auf die Frage, ob man auch ohne an einer Filmhochschule angenommen zu werden zur Filmemacherin werden kann, antwortet Bettina Baum: „Wenn Sie wirklich Filme machen wollen, dann werden Sie da rein kommen, egal welchen Weg Sie wählen.“ Es gibt viele neue Studiengänge, nicht an Filmhochschulen, wo man praktisch arbeiten kann. Aber auch über die Theorie kann der Weg führen oder über Praktika in der Filmbranche. „Filme machen hat auch etwas mit Reife zu tun.“

An der ifs internationale filmschule köln merkte Katharina Tillmanns im Studium der Filmregie, dass sie sich doch eher für Geschichten aus der Welt als für fiktionale Stoffe interessiert. Ihr erster Film drehte sich dann um ihre Mutter. Die Frage dabei: „Wie muss ich in der Montage mit einer Person umgehen, damit sie auch für andere interessant ist?“ Dabei wurde ihr klar, dass darin eine große Verantwortung liegt. Häufig erzählen junge Filmemacher einen Film über Personen, die ihnen nahe stehen. Das funktioniert nicht immer, weiß Bettina Baum aus ihrer eigenen Erfahrung und warnt vor zu persönlichen Themen als erste Arbeiten.

Ihr Abschlussfilm „Der Boden unter den Füßen“ http://www.cgnfilms.de/WP/der-boden-unter-den-fusen/ erzählt die Geschichte von Menschen, die aufgrund des Braunkohlebergbaus umgesiedelt wurden. Als sie dort am Abgrund stand, merkte sie, „das ist meine Geschichte“ und machte trotz dokumentarischer Recherche einen fiktionalen Stoff daraus. Nach ihrem Abschluss konnte sie sich gar nicht richtig vorstellen in der Filmbranche zu arbeiten und war dann in einer PR-Agentur tätig. Dort lernte sie, Leuten Themen zu verkaufen und kam darüber wieder an die Arbeit an ihre eigenen Themen. Über Netzwerktreffen landete sie dann in der Games-Branche, für die sie sich derzeit auch mit einem Masterstudium qualifiziert.

Heute koordiniert sie die Öffentlichkeitsarbeit des Cologne Game-Labs und ist Leiterin der Abteilung Gaming & Interactive beim UFA Lab Cologne. Den Spieler selbst zum Kollaborateur zu machen, in einem Umfeld, das nicht komplett vorgegeben ist, das fasziniert sie. „Der Spieler macht quasi seine eigene Montage.“ Im Film ist dies nicht so möglich, erläutert Tillmanns. Ihr nächstes Projekt wird ein Spiel, das sie dieses Jahr in Frankreich produzieren möchte. Außerdem interessiert sie sich dafür, wie eine angemessene Analogie von Dokumentarfilm und Games jenseits der serious games aussehen kann.

Am Ende macht Katharina Tillmanns Mut: „Natürlich hatte ich nach dem Filmstudium das Gefühl, gescheitert zu sein, nachdem ich nicht beim Kleinen Fernsehspiel gelandet bin. Aber jetzt bin ich beim Thema Games ganz vorne, wo man auch etwas Neues machen kann.“

Das Fazit: Viele Wege führen zum Traumberuf in den Medien

 

Cathrin Bengesser

 Posted by at 16:54

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