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Mrz 152013
 

mfr-2013_0198Auch in diesem Jahr finden Sie an dieser Stelle unsere Audiodokumentation der Veranstaltung.

Sie können die Begrüßungen und Redebeiträge der Gastgeber und Partner der “Medienfrauen NRW 2013″ sowie der beiden Panels des Vormittags nachverfolgen.

 

Alle Beiträge stehen als Download oder zum direkten Anhören auf unserer Website zur Verfügung. Viel Spaß!

Begrüßungen durch:

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Uwe Kammann, Direktor des Grimme-Instituts

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Angela Spizig, Bürgermeisterin der Stadt Köln

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Dr. Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen

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Panel 1:

v.l.:
Bella Lesnik (Moderation)
Kim Lenar / BILD
Petra Kohnen / Deutsche Welle Akademie
Pia von Houwald / E-Plus
Claudia Pelzer / crowdsourcingblog

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Panel 2:

v.l.:
Bella Lesnik (Moderation)
Maren Bednarczyk / WDR-Volontärin
Katja Vossenberg / WDR-Volontärin
Elisabeth Neumann / Medienbüro Rheinland
Andrea Ernst / Journalistinnenbund
Bettina Baum / Koordinationscentrum Ausbildung in Medienberufen / Medienkarriere.nrw

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 Posted by at 14:28
Mrz 132013
 

mfr-2013_0404Bettina Baum beginnt den Workshop mit den Worten: „Ich bin gar keine Medienschaffende, sondern Pädagogin im Auftrag der Medien.“

Die Beratungsinstitution AIM (Ausbildung in Medienberufen) bietet seit vielen Jahren Informationen und Beratung zu Medienberufen. Insbesondere für den Einstieg in diese stellt das Informationsportal http://www.aim-mia.de umfassende Hintergründe, Daten, Fakten und Zusammenhänge zur Verfügung.

Bettina Baum stellt hierfür die Aufgaben und Ziele des Portals und der Institution dahinter dar. Hierzu zählen die individuelle Ausbildungs- und Laufbahnberatung, die Bedarfsermittlung im Bereich Mitarbeiterqualifizierung sowie Veranstaltungen, ein Medieninformationsarchiv und die Beschreibung von Medienberufen. Relativ neu im Repertoire ist das Onlinemagazin und Informationsportal des Landes Nordrhein-Westfalen rund um Medienberufe und Karrierechancen Medienkarriere.NRW (http://www.medienkarriere.nrw.de).

Bettina Baum stellt heraus, dass das Spektrum der Medienberufe immens groß ist. „Unsere Aufgabe ist es, euch die Zugänge aufzuzeigen und den Einstieg zu erleichtern“, so Frau Baum.

Des Weiteren führt sie fort, dass auch, wenn NRW mit seinem Flaggschiff Köln ein Medienland ist, sich dieses durch weit mehr als nur durch die klassischen Branchen des Films, Fernsehens und Rundfunks charakterisiert. Hierzu zählen auch andere Bereiche wie Bühne, Messen und Events, das Verlagswesen, Werbung, aber auch die zurzeit wachsende und nicht zu unterschätzende Games- und Online-Landschaft.

NRW bietet ein Bild mit vielfältigen Berufsfeldern und -tätigkeit.“

Die stetige Weiterentwicklung der Technologien und die Ausbreitung neuer Technologien ermöglichen neue Berufsbilder, aber auch veränderte und neue Tätigkeiten. Dies führte auch dazu, dass nicht nur die Firmen umdenken mussten, auch der Aus- und Weiterbildungssektor im Medienbereich musste reformiert werden, so dass innerhalb kürzester Zeit neue Studiengänge entstanden.

Für die Vielzahl an beruflichen Möglichkeiten, die sich in der Medienbranche biete, zeigt Bettina Baum beispielhaft einen Weg zur Entscheidungsfindung auf:

Wenn man eine Berufslaufbahn in der Medienlandschaft einschlagen will, gilt es, sich zunächst zu fragen, in welche Branche man hinein will.

Dies ist der erste Schritt der Orientierung. Im nächsten Schritt wagt man eine Konkretisierung: „Hier macht und kann jeder nicht alles, sondern in den unterschiedlichen Gewerken gibt es unterschiedliche Kompetenzen.“ Hierfür gibt Bettina Baum beispielhaft einen Einblick in die facettenreichen Tätigkeitsfelder.

So skizzieren sich die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder anhand von Management (Kalkulation, Kunden und Werbezeiten), aber auch Konzeption und Entwicklung. „Gerade für junge Menschen scheint dieses Segment sehr attraktiv.“ Hier werden neue Formate und Ideen entwickelt, Drehbücher geschrieben und Kampagnen entwickelt.

mfr-2013_0421Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Ausstattung. Diese findet sich nicht nur in klassischen Bild-Medien (Fernsehen und Bühne), sondern auch in neuen Bereichen wie der Games-Produktion. Dieses künstlerische Feld umfasst u.a. Kostümentwicklung, Requisite und Szenenbild.

Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Inszenierung und Darstellung, wozu bestimmte Tätigkeiten wie Regie, Schauspiel und und Casting zählen. Weitere berufliche Tätigkeiten finden sich in der technisch-kreativen Gestaltung (Kamera, Schnittplätze und Grafik), Medientechnik (Spieleentwicklung, Traversen, und Sendetechnik), aber auch in der Wissenschaft und Forschung (Wirkungsforschung, Medienpädagogik).

Diese verschiedenen Tätigkeitsfelder erfordern unterschiedliche Kompetenzen und Fachkenntnisse. Es entwickeln sich ständig neue Berufsbilder. Da eine stetige Entwicklung zu beobachten ist, schauen wir vor allem danach, was zu lernen ist.“

Dieses verdeutlicht sich insbesondere in der Berufsausbildung. So skizziert Bettina Baum die verschiedenen Wege in die Medien. Hierzu zählen staatlich anerkannte medienspezifische Berufsausbildungen, Studien an Universitäten, Fachhochschulen und Filmakademien oder auch der praktische Einstieg über ein Volontariat bzw. Traineeship.

Des Weiteren stellt Bettina Baum heraus, dass auch ein Quereinstieg mittlerweile ein verbreiteter Einstieg in die Berufswelt darstellt. Dieser ist auch nach einer „medienfremden“ Ausbildung möglich.

Es gibt keinen anderen Wirtschaftsbereich, der so sehr von Quereinsteigern lebt, wie die Medienbranche.“ Dennoch fügt Bettina Baum hinzu, dass gerade durch die Entwicklung einer Vielzahl verschiedenartiger Ausbildungswege (z. B. ganz unterschiedlicher Studiengänge) dies aber abnimmt.

Verbindung von Theorie und Praxis

Es gibt mehr und mehr duale Studiengänge. Man schließt hier einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen ab. Hierbei macht man eine betriebliche Ausbildung und studiert gleichzeitig neben dem Beruf. Dies ist zwar nicht ohne, aber man hat am Ende sowohl eine abgeschlossene Berufsausbildung als auch ein abgeschlossenes Studium (meist Bachelor).“

Auch die medienspezifischen Ausbildungsberufe werden skizziert und zeigen die vielfältigen Möglichkeiten, die den jungen Frauen geboten werden. Dennoch, wer die Wahl hat, hat auch die Qual. Insbesondere für eine Beratung steht hier das aim den jungen Frauen zur Verfügung.

NRW ist ein starkes Ausbildungsland für Medienberufe. In NRW existieren bereits über 200 medienspezifische Studiengänge. Um sich hier zurecht zu finden, empfiehlt Bettina Baum eine Kategorisierung, in die sich die Studiengänge einordnen lassen: Medienkunst, Mediengestaltung, Medientechnik und -produktion, Medienökonomie und die Medienwissenschaft und den Journalismus. Im einzelnen stellt Bettina Baum einige Studiengänge in den einzelnen Kategorien und an den verschiedenen Hochschulen vor. Die Vielfalt der Angebote in NRW (und in anderen Bundesländern) sind auch zu finden bei den verschiedenen Beratungsstellen der Hochschulen sowie u.a. bei übergreifenden Portalen wie aim (http://www.aim-mia.de). Das Spektrum der Möglichkeiten ist groß. Es gibt viele spezifische Wege, um an die entsprechende Zielpositionen in der Berufswelt zu gelangen. In der Welt der Medien stellt sich der Ausbildungssektor vielfältig dar.

Dieser Einblick zeigt, dass es für viele Tätigkeiten spezifische Studiengänge gibt. Es gibt viele Wege in den Einstieg in die Medienbranche über den klassischen Ausbildungsweg.

 

Nicole Riechert

 Posted by at 17:21
Mrz 132013
 

mfr-2013_0372Ihre zwei unterschiedlichen Wege in die Filmbranche zeigen Bettina Braun (Filmregisseurin und -produzentin) und Katharina Tillmanns (Transmedia Autorin, Game-Designerin und Producerin) im Workshop „Bewegte Bilder“.

Constant change is here to stay“ – Ein erster Weg zum Beruf Filmemacherin

Vor ihrem Studium in London entschied sich Bettina Braun gegen eine Schauspielkarriere. Nach einem ersten Orientierungsstudium arbeitete sie ihre Mappe aus und begann ihr Studium des Grafikdesigns am Central St. Martin’s College Anfang der 90er Jahre. Schon dabei merkte sie, dass sie das Bewegtbild mehr interessierte als die reine Grafik. Als Abschlussarbeit produzierte sie Trickfilme. Im Anschluss arbeitete sie als Grafikerin für interaktive CD-Roms in London und absolvierte Praktika bei Filmproduktionsfirmen. Damals begann auch ihr Interesse am Dokumentarfilm. Ihr Studium an der Kölner Kunsthochschule für Medien schloss sie mit ihrem ersten erzählerischen Film ab, der auch vom WDR angekauft wurde. Darauf folgten freiberufliche Tätigkeiten beim WDR. 1998/99 entstand gefördert von „Produktion 2“ der Filmstiftung NRW ein weiterer Dokumentarfilm „Frauen sind im Wesen anders…“

2000 folgte dann die Gründung der Firma Filmdokument mit Britta Wandaogo. Gemeinsam entstanden Filme für verschiedene Auftraggeber, z. B. Industrieunternehmen. Sich zusammen zu tun, Partner zu finden, rät Bettina Braun jungen Filmemacherinnen. Ebenso von Vorteil ist das Networking, z. B. bei LaDOC, einem Film-Netzwerk für Frauen (www.ladoc.de), bei dem man sich austauschen und Mitarbeiter finden kann. Auch für Katharina Tillmanns ergab sich ihre Karriere durch Netzwerktreffen. „Das ist wirklich eines der wichtigsten Elemente von Austausch, auch wenn man das z. B. an der Filmhochschule nicht lernt.“ Der berufliche Austausch bedeutet sich zu unterstützen, voneinander zu lernen und sich gegenseitig Jobs zu vermitteln, fasst Bettina Braun zusammen.

Beim Thema Familie und Beruf machte Bettina Braun, Mutter zweier Söhne, die Erfahrung, dass diese Zeit für viele Frauen den Karriereknick bedeutet. „Ich kann Ihnen nur raten, dass Sie dabei wachsam sind.“ Denn die Kindererziehung kostet Kraft, die dann an anderer Stelle fehlt. Diesen zusätzlichen Raum muss man sich gesellschaftlich erkämpfen.

 mfr-2013_0426Thematisch kreisen die Filme von Bettina Braun um die Fragen: Wo gehöre ich hin? Was bin ich wert? Wie werde ich wahrgenommen? Die Themen ihrer Filme müssen etwas in ihr hervorrufen: „Ich merke, dass ich dabei ganz viel von mir preisgebe.“ Ihr neues Projekt wird ein Spielfilm werden. Der Durchbruch als Regisseurin war für Bettina Braun der Dokumentarfilm „Was lebst du?“, den sie 2002 selbst zu drehen begann und mit Unterstützung des Kleinen Fernsehspiels des ZDF 2004 fertigstellen konnte. Danach entstanden zwei weitere Filme als Fortsetzung. Mittlerweile produziert sie auch Dokumentarfilme mit und ist nicht ausschließlich als Regisseurin tätig.

Ihr Wissen teilt Bettina Braun als Dozentin z. B. an der FH Lippe & Höxter. Sie rät, sich zu öffnen und Wissen abzugeben, denn das kommt zurück. Eine Haupteinnahmequelle, denn „Dokumentarfilm sucht seine Geschichte und das braucht Zeit – Zeit, die nicht honoriert wird.“ Zum Dokumentarfilm gehört nicht nur der Dreh, auch die Idee, der Zeitplan, das Budget, an das man kommen muss, der Dreh muss organisiert werden, nach dem Dreh folgen Postproduktion, Schnitt usw. Oft entstanden ihre Filme „in Personalunion“ als Kamerafrau, Regisseurin und Cutterin, was viele Situationen erst ermöglichte. Hinter die Kulissen des Dokumentarfilms kann man auch bei den Projekten dokyou http://dokyou.de/ und dokmal schauen. Für dokyou produzierte Bettina Braun 2009 den Film „Nick und Tim“ http://www.planet-schule.de/dokmal/vorhang_auf_film_ab/nick_tim/ .

Bye bye Selbsterfüllung, hello Handwerk“ – Ein zweiter Weg

Katharina Tillmanns wählte den Weg über ein Studium der Medien- und Theaterwissenschaften in Bochum. Dabei war aber auch immer der Drang praktisch zu arbeiten. Nach dem Bachelor wurde sie auch an der Filmschule in Köln angenommen. Aber Katharina Tillmanns machte deutlich, dass es nicht nur darum geht, an einer Filmhochschule die Form zu lernen, sondern auch das zu finden, was man erzählen möchte.

mfr-2013_0428Auf die Frage, ob man auch ohne an einer Filmhochschule angenommen zu werden zur Filmemacherin werden kann, antwortet Bettina Baum: „Wenn Sie wirklich Filme machen wollen, dann werden Sie da rein kommen, egal welchen Weg Sie wählen.“ Es gibt viele neue Studiengänge, nicht an Filmhochschulen, wo man praktisch arbeiten kann. Aber auch über die Theorie kann der Weg führen oder über Praktika in der Filmbranche. „Filme machen hat auch etwas mit Reife zu tun.“

An der ifs internationale filmschule köln merkte Katharina Tillmanns im Studium der Filmregie, dass sie sich doch eher für Geschichten aus der Welt als für fiktionale Stoffe interessiert. Ihr erster Film drehte sich dann um ihre Mutter. Die Frage dabei: „Wie muss ich in der Montage mit einer Person umgehen, damit sie auch für andere interessant ist?“ Dabei wurde ihr klar, dass darin eine große Verantwortung liegt. Häufig erzählen junge Filmemacher einen Film über Personen, die ihnen nahe stehen. Das funktioniert nicht immer, weiß Bettina Baum aus ihrer eigenen Erfahrung und warnt vor zu persönlichen Themen als erste Arbeiten.

Ihr Abschlussfilm „Der Boden unter den Füßen“ http://www.cgnfilms.de/WP/der-boden-unter-den-fusen/ erzählt die Geschichte von Menschen, die aufgrund des Braunkohlebergbaus umgesiedelt wurden. Als sie dort am Abgrund stand, merkte sie, „das ist meine Geschichte“ und machte trotz dokumentarischer Recherche einen fiktionalen Stoff daraus. Nach ihrem Abschluss konnte sie sich gar nicht richtig vorstellen in der Filmbranche zu arbeiten und war dann in einer PR-Agentur tätig. Dort lernte sie, Leuten Themen zu verkaufen und kam darüber wieder an die Arbeit an ihre eigenen Themen. Über Netzwerktreffen landete sie dann in der Games-Branche, für die sie sich derzeit auch mit einem Masterstudium qualifiziert.

Heute koordiniert sie die Öffentlichkeitsarbeit des Cologne Game-Labs und ist Leiterin der Abteilung Gaming & Interactive beim UFA Lab Cologne. Den Spieler selbst zum Kollaborateur zu machen, in einem Umfeld, das nicht komplett vorgegeben ist, das fasziniert sie. „Der Spieler macht quasi seine eigene Montage.“ Im Film ist dies nicht so möglich, erläutert Tillmanns. Ihr nächstes Projekt wird ein Spiel, das sie dieses Jahr in Frankreich produzieren möchte. Außerdem interessiert sie sich dafür, wie eine angemessene Analogie von Dokumentarfilm und Games jenseits der serious games aussehen kann.

Am Ende macht Katharina Tillmanns Mut: „Natürlich hatte ich nach dem Filmstudium das Gefühl, gescheitert zu sein, nachdem ich nicht beim Kleinen Fernsehspiel gelandet bin. Aber jetzt bin ich beim Thema Games ganz vorne, wo man auch etwas Neues machen kann.“

Das Fazit: Viele Wege führen zum Traumberuf in den Medien

 

Cathrin Bengesser

 Posted by at 16:54
Mrz 132013
 

mfr-2013_0348Nach der Mittagspause stellen Julia Christophers (Turtle Entertainment) und Katarina Peranic (Stiftung Bürgermut) den Beruf des / der Social Media Managers/-in vor. Während Peranic sich beruflich im sozialen und Non-Profit-Bereich engagiert, ist Christophers in der Gaming- und eSports-Branche zu Hause.

Peranic arbeitet für die Stiftung Bürgermut, die 2007 gegründet wurde und sich die Förderung lokal verwurzelten, sozialen Engagements auf die Fahnen geschrieben hat. Auf einer Plattform mit dem Titel „Weltbeweger“ werden vorbildhafte Menschen und Projekte vorgestellt, die so aus dem lokalen Engagement heraus möglichst globale Bekanntheit und Wirksamkeit erreichen sollen.
Zusätzlich zu dieser Plattform gibt es ein Digitalmagazin, das unter dem Titel „Enter“ unterschiedlichste Aktivist/-innen aus ganz Deutschland vorstellt und in jeder Ausgabe ein Schwerpunktthema beleuchtet. Da diese Themen variieren, spricht das Magazin eine große Bandbreite an Zielgruppen an.
Neben diesen Tätigkeiten gehört auch die Koordination von Offline-Aktivitäten zu Peranics Job. Auf sogenannten „Online Transfer Camps“ können beispielsweise Workshops angeboten und Möglichkeiten zur Vernetzung zwischen Engagierten und Unternehmer/-innen genutzt werden.

Peranic selbst ist studierte Politologin, die über persönliche Kontakte zum Gründer der Stiftung in ihren Beruf hereingekommen ist. Sie gab der Stiftung wesentliche Impulse, um mit ihren Aktivitäten möglichst stark ins Web zu gehen.
Über die unterschiedlichen Social Media-Angebote der Stiftung werden so tagtäglich etwa 8000 Menschen erreicht. Für diese muss Content bereitgestellt werden, der zudem der jeweiligen Zielgruppe angepasst werden muss: „Die Tonalität spielt immer eine Rolle.“
Diese Inhalte müssen täglich recherchiert und ansprechend präsentiert werden; es gilt, die Communities kennenzulernen und mit diesen im Gespräch zu bleiben. Dabei steht laut Peranic über allen Aktivitäten das Motto: „Content is king.“
Neben diesem inhaltlichen Fokus liegt es auch in der Verantwortung des/der Social-Media-Managers/Managerin, den Erfolg der eigenen Strategie im Blick zu behalten (sog. „Monitoring“). Während der Beruf also einerseits Kompetenzen aus dem Bereich des Online-Journalismus  verlangt, lässt er sich jedoch keineswegs darauf reduzieren: „Social Media ist ganz oft eine Querschnittsaufgabe“, betont Peranic.

mfr-2013_0333Julia Christophers sorgt zu Beginn ihres Vortrags für große Überraschung, als sie den Teilnehmerinnen eröffnet, dass die Gaming Industrie eine beeindruckende Wachstumsbranche ist. Wer also gerne im Medienbereich arbeiten möchte, sollte den Gaming- und eSports-Sektor nicht übersehen, denn: „Wir sind an einem Punkt angelangt in Europa, wo die Gaming Industrie mehr Umsatz macht als die Filmindustrie.“ Die größten Firmen innerhalb dieser Branche sitzen zudem in Deutschland, insbesondere in Köln – also beste Voraussetzungen für die Medienfrauen von morgen.

Christophers selbst ist von Anfang an dabei und machte ihre Leidenschaft, das Computerspielen, nach und nach zum Beruf. Um sich abzusichern, studierte sie zudem Medien- und Kulturwissenschaften sowie Anglistik und Germanistik.
In ihren Augen ist es wichtig, der Gaming-Branche eine Chance zu geben, um möglicherweise in andere Bereiche einzusteigen, denn hier kann man sich ausprobieren: „Man darf die Gaming-Industrie als Arbeitgeber nicht außen vor lassen, wenn man in alle großen Bereiche einmal hineinschauen möchte“. Ihre Firma, Turtle Entertainment, ist auch ein Ausbildungsbetrieb und stellt gerne ein; Informationen gibt es auf: http://www.turtle-entertainment.com/career/.
Dabei achtet das Unternehmen auf eine sozialverträgliche und faire Unternehmenspolitik: „Man ist Teil des Teams“, so Christophers, und: „Wir haben gar nicht die Zeit, jemanden als Arbeitssklaven zu halten. Wir schreiben keine Praktikantenplätze zum Spaß aus, sondern nur, wenn wir Personal brauchen.“
Die Firma hat sich zudem auf die Bachelor-/Master-Studiengänge eingestellt und bietet deshalb beispielsweise dreimonatige Praktika an; auch Quereinsteiger/-innen sind willkommen, denn – und dies betont auch Peranic – der Blick von Fachfremden kann mitunter sehr bereichernd sein kann, denn sie urteilen frei von jeglicher Betriebsblindheit.

Christophers hat die Firma viele Jahre lang international vertreten und empfiehlt den PR-Bereich  deshalb als Geheimtipp für all jene, die abseits von Zeitung, Fernsehen und Radio journalistisch arbeiten wollen. Mitunter lohnt es sich für den Einstieg, nach einem spannenden Unternehmen zu suchen und für dieses PR zu machen – das kann genauso eine NGO wie der Supermarkt um die Ecke sein: „Auch Äpfel und Birnen wollen vertreten werden.“
Auch Peranic betont, dass die Medienfrauen von morgen nicht nur in die klassischen Medienberufe schauen sollten, wenn es um Jobs und Ausbildungsmöglichkeiten geht.

mfr-2013_0332Auch in diesem Workshop taucht natürlich die Frage nach dem möglichst kurzen und erfolgreichen Weg in die Medienwelt auf. Sowohl Christophers als auch Peranic plädieren dafür, anderweitig Qualifikationen zu erlangen und den Weg in die Sozialen Medien vor allem über Praxiserfahrungen zu beschreiten. Laut Christophers war ihr Studium wichtig, um den eigenen Horizont zu erweitern und eine Persönlichkeit zu entwickeln; danach ist ein Quereinstieg immer noch möglich, mitunter hat man damit sogar bessere Chancen. Man sollte eine gute Universität wählen und nach der persönlichen Präferenz gehen.
Auch Peranic betont die Wichtigkeit einer fachlichen Expertise, die man mitbringt. Social Media als Berufsfeld bedeuten jedoch „Praxis, Praxis, Praxis“ – diese kann mitunter wichtiger sein als Studienerfahrung. Wie lange das jedoch noch so geht, wird sich zeigen, denn auch die Social-Media- Branche ist dabei, sich immer stärker zu professionalisieren.

Obwohl beide Referentinnen aus sehr unterschiedlichen Bereichen kommen, vermitteln sie den Workshop-Teilnehmerinnen doch denselben, wichtigen Tipp: Oft lohnt es sich, kleiner anzufangen – etwa in einer Non-Profit-Organisation oder einem mittelständischen Unternehmen – denn hier bieten sich, anders als in Großkonzernen, Möglichkeiten, sich stärker auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen. Oft ist das Arbeitsumfeld dort auch angenehmer und es bieten sich noch Möglichkeiten, um aufzusteigen. Außerdem ist das persönliche Engagement ein wichtiger Grundpfeiler, aus dem durchaus Karrierechancen entstehen können: „Engagiert euch, probiert euch aus!“, ist deshalb die abschließende Botschaft der beiden.

 

Maria Roca Lizarazu & Lucia Eskes

 Posted by at 15:23
Mrz 132013
 

mfr-2013_0324Priya Bathe und Christina Wandt stellen unterschiedliche Arbeitsbereiche im Journalismus vor.
Als erstes geht es um den Weg in die Freiberuflichkeit.

Priya Bathe (Freie Journalistin)
Als Einstieg weist Bathe darauf hin, dass 70 Prozent aller Journalisten Freiberufler sind, und zeigt eine Präsentation mit zahlreichen Informationen.

„Freiberuflich zu arbeiten bedeutet den Schritt in die Unternehmensgründung.“
„In die Künstlersozialkasse zahlt man abhängig von dem ein, was man erwirtschaftet, und ist durchgehend versichert.“
„Wichtig ist, dass ihr euch in irgendeinem Bereich zum Experten macht.“
„Wichtig ist auch, dass man bestehende Kontakte zu Redaktionen auch aufrecht erhält. Die persönlichen Kontakte sind wahnsinnig wichtig.“

Buchtipp: Das WDR-Dschungelbuch http://www.wdr-dschungelbuch.de/

Zunächst geht es um die Berufsvoraussetzungen:

Abgeschlossenes Studium
Der klassische Weg:

  • Praktika
  • Studentenjob
  • Volontariat

Der “steinige” Weg

  • Freie Autorentätigkeit
  • Förderprogramme (WDR Talentwerkstatt)
  • Hospitationen
  • Trainee

Wichtig ist es, bei beiden Wegen Arbeitsproben zu generieren!

Um eine Volontariatsstelle im Rundfunk zu bekommen, müssen alle Bewerber ein Assessment Center durchlaufen. Das AC setzt sich aus drei Runden zusammen:

  1. Runde: Reportage einreichen,
  2. Runde: Wissenstest,
  3. Runde: Gespräch vor Kommission.

Das Volontariat ist trimedial und dauert 18 Monate.

Im zweiten Schritt geht es um Informationen zur Betriebsgründung:

  • Hinzunahme eines Unternehmensberaters für Medienberufe (Frank Böhm),
  • Information über Gründerzuschuss Arbeitsamt,
  • Auseinandersetzung mit Steuernummer, Finanzamt, Umsatzsteuer etc.,
  • Suche eines Steuerberaters,
  • Anmeldung bei Künstlersozialkasse,
  • Anmeldung beim Presseversorgungswerk.

Wichtig ist zu wissen: Selbstständigkeit heißt Unternehmertum

Im dritten Schritt geht es um die Notwendigkeit, Aufträge zu generieren:

  • Fachgebiete bilden,
  • Newsletter breit gefächert sowie im Spezialgebiet abonnieren,
  • bestehende Kontakte zu Redaktionen aufrechterhalten,
  • Blindangebote an Redaktionen schicken,
  • feste freie Tätigkeiten anstreben,
  • persönliche Kontakte stärken, denn diese öffnen Türen.

Vorteile der Öffentlich-Rechtlichen sind:

  • Honorare sind fest geregelt
  • Ab 42 Tagen Beauftragung im Laufe der zurückliegenden sechs Monate erhält man Anspruch auf 30 Urlaubstage, Urlaubsgeld, Krankengeld etc.

Buchtipp: Das WDR Dschungelbuch (http://www.wdr-dschungelbuch.de)

Als interessante Netzwerke und Verbände werden benannt:

 

Frage aus dem Publikum: Was spricht gegen eine Festanstellung?
Es gibt kaum Festanstellungen im Bereich des Journalismus. Insofern ist es ein Muss, sich mit oben Genanntem auseinanderzusetzen.

Christina Wandt (WAZ)
mfr-2013_0362Wandt hat studiert und währenddessen für die Studentenzeitung gearbeitet. Hinzu kamen ein Auslandsaufenthalt und nach Abschluss des Studiums ein Praktikum in der Lokalredaktion (Pauschalistenstelle, Feste Freie, Stadtteilzeitung). Anschließend ging es zum Volontariat zur WAZ. Wichtig waren immer Arbeitsproben. Dem folgten diverse Stellen sowohl in der Lokalredaktion als auch im Berliner Büro der WAZ.  

Nach dem Praktikum in der Essener Lokalredaktion der WAZ kam Christina Wandt an eine Pauschalistenstelle, also als feste Freie. „Ich habe ganz, ganz großes Glück gehabt.“ Danach absolvierte sie ein Volontariat.

Arbeitsproben: „Ein ganz wichtiger Punkt ist, viele Artikel zu haben, um zu zeigen, dass man eine gewisse Bandbreite abdeckt.“

Während es in der Großstadt zu viele Themen gab, war das in der Provinz anders. „Man muss offen sein, sehr beweglich und auf die Leute zugehen.“

„Die großen Ressorts sollte jeder kennengelernt haben.“

Im Berliner Büro der WAZ teilten sich die drei Korrespondenten auf die verschiedenen Ministerien auf. „Hier muss man sich schon spezialisieren.“

„Da war mein Tageswerk auch erst einmal, die Süddeutsche, die FAZ und auch die BILD durchzuarbeiten. Das ist völlig anders als im Lokaljournalismus. Dort ist man vor Ort die Hoheit.“ In der Bundespressekonferenz können 100 Kollegen noch wenig sein.

In ihrer Zeit in London musste sie auch wieder alles machen „Da muss man in der Lage sein, über die politischen Entscheidungen zu berichten, aber auch Ereignisse im Königshaus einordnen können.“ „Deswegen muss man auch diese Wissenstests machen. Das sind keine Schikanen.“ Das muss man dann aktuell wissen, ohne zu googeln.

mfr-2013_0410Tageswerk war dabei immer das Studium aktueller Zeitungen wie bspw. Süddeutsche Zeitung, FAZ, Bild-Zeitung etc. Zudem ist es wichtig, ein Profil in der Redaktion zu haben und somit in Erinnerung zu bleiben. Kontakte sind notwendig, die Arbeitszeiten sind häufig rund um die Uhr. Dementsprechend ist die Familienfreundlichkeit nicht hoch und der Wiedereinstieg entsprechend schwierig. Auch ist es notwendig, alle Themen zu machen von Politik bis Tratsch.

Im Anschluss nennt Wandt Fragenbeispiele für den Wissenstest im Rahmen des Assessment Centers. Die Fragengebiete sind vielfältig aber machbar, vorausgesetzt, dass man regelmäßig Zeitungen liest und sich auf den Test vorbereitet. Die Fragebögen gibt es im Internet.

Beispielfragen:

  • z. B. zum Mars-Roboter Curiosity.
  • Wo sind die nächsten olympischen Spiele?
  • Wer ist der nordrhein-westfälische Finanzminister?

PB: Man muss sich mit regionalen Spezifika der Redaktion auskennen.

CW: „Man muss das beantworten können, wenn man im letzten halben Jahr aufmerksam Zeitung gelesen hat.“ „Wenn man da schlecht ist, wäre das schon ein Ausschlusskriterium.“

„Es gibt bei uns immer wieder angehende Volontäre, die sagen, sie lesen keine Zeitung. Das ist sehr, sehr schlecht.“

PB: Wissenstest WDR und Deutsche Welle: „Ich hatte eine Tapetenwand Mindmaps.“ „Man muss auch dann Sportsachen wissen, wenn man sonst eine absolute Sportniete ist.“

Frage:
Print scheint ein aussterbendes Medium zu sein. Wäre es also evtl. sinnvoller, sich im Onlinebereich zu bewerben?

Wandt: Die Zeitungskrise ist da und es wird deutlich gekürzt. Man muss zudem auch immer  online arbeiten.
Bathe: Der Printbereich ist immer noch klasse, das Praktikum ist wichtig, die Bezahlung ist jedoch sehr unterschiedlich von Print und bspw. Hörfunkbeitrag.

Frage:
Wann sollte man sich für ein Volontariat bewerben?

Wandt: Die normale Altersspanne ist zwischen 24 und 30 Jahren. Den einen Weg gibt es jedoch nicht, auch eine frühere Bewerbung kann erfolgreich sein. Wichtig ist, dass man praktisch und selbstständig arbeiten kann. Man kann immer überzeugen mit dem, was man macht!

Wandt: Je nach Thema ist es vielleicht schwierig, wenn man sehr jung ist, aber es gibt auch Themen, die man besonders gut als junger Mensch bearbeiten kann. Zunächst einmal sollte man die Redaktion um eine Einschätzung bitten.

Frage:
Gibt es Teilzeitpraktika?
Wandt:  Eigentlich nicht, da man in den Redaktionen Leute braucht, die immer verfügbar  und entsprechend von morgen bis abends einsetzbar sind.

Frage:
Fernsehen als Arbeitsstelle. Wie kommt man dorthin?

Bathe: Bezüglich des Fernsehens führt kein Weg am Volontariat vorbei. Man muss flexibel sein.
Bathe: Das Handwerk ist wichtig!

Frage:
Kann  man auch ein Praktikum bei der Zeitung machen in der Schulzeit?

Wandt: Eigentlich nicht. Das Vorbeigehen in Redaktionen lohnt sich hier jedoch manchmal. Selbstständigkeit ist wichtig. Denn Zeitdruck ist immer da. Praktikum ist kein betreutes Arbeiten.

Frage:
Wie sieht es mit der Praktikumsdauer aus?

Wandt: Bei Schülern beträgt die Praktikumszeit zwei Wochen, ansonsten ist ein Monat plus sinnvoll.

Bathe: Schreibt und wenn es nur ein eigener Blog ist. Informiert Euch, wo man etwas  machen kann mit dem Ziel, Arbeitsproben zu bekommen.

Wandt: „Vor nix fies sein.“ Für alle Themen Engagement einbringen.

Frage: Ich habe keine Erfahrungen im Handwerk Film und Radio. Gibt es Möglichkeiten, hier reinzuschauen?

Bathe: Der WDR bietet Hospitationen an, zudem sind Blindbewerbungen immer wichtig und auch häufig erfolgreich. Nehmt die WDR-Website als Infoquelle.

Es lohnt sich.
Flexibilität wird auch künftig immer wichtiger.
Selbstständigkeit wird immer gängiger.

CW: „Es ist immer total wichtig, dass man sich bekannt macht.“

CW: „Unser tägliches Geschäft ist es, Texte sehr, sehr schnell zu schreiben.“

PB: „Ganz wichtig ist wirklich: schreibt! Auch wenn es nur ein Blog ist.“ „Arbeitsproben sind das A und O.“

CW: „Auch kleine Texte zählen bei uns furchtbar viel“, z. B. die „Frage des Tages“.

PB: „Blindbewerbung kann funktionieren. Das passiert ganz, ganz oft.“

PB: „30 Prozent vom Honorar zur Seite legen, das ist die Steuer; 20 Prozent sind die Sozialabgaben.“

 

Cathrin Bengesser & Julia Wilms

 Posted by at 15:20
Mrz 132013
 

mfr-2013_0305Vor der Karriere in der Medienbranche steht die Ausbildung. Welche Voraussetzungen man mitbringen muss, welche Erfahrungen man machen sollte und unter welchen Bedingungen man zur erfolgreichen Medienfrau wird, das erklären die Teilnehmerinnen des zweiten Panels.

 

 

Wer in die Medien will, sollte auch nach links und rechts schauen

Klassisch führt der Weg in redaktionelle Tätigkeiten über Medien- und Kommunikationswissenschaften, erklärt Bettina Baum vom KoordinationsCentrum „Ausbildung in Medienberufen“ bei der sk stiftung jugend und medien. „Aber auch außerhalb der kreativen Berufe gibt es Profile, die eine interessante Laufbahn bereit halten und die gefragt sind“, betont die Expertin in der „Lebenslaufplanung“. Die eher technischen Berufe, z. B. die Ausbildung zum Fachinformatiker, werden von weiblichen Azubis nicht so wahr genommen. So auch bei Tontechnik und -aufnahme, was man z. B. an der Fachhochschule studieren kann.

mfr-2013_0235„Gerade in Berufen mit einem technischen und gestalterischen Profil gibt es offene Stellen – auch zeichnen sich diese durch einen geringeren Anteil an Frauen aus“, so Bettina Baum. Ebenso macht sie deutlich, dass sich die Branche permanent wandelt, gerade durch den Einfluss neuer digitaler Technologien. Auch hier gilt es links und rechts von den klassischen journalistischen Tätigkeiten zu schauen: Neue Formate müssen auch im kaufmännischen oder technischen Bereich kreativ entwickelt werden. „Gerade die neue Entwicklungen bieten vielseitige und zukunftsträchtige Berufsbilder“, so Bettina Baum. Die Moderatorin, Bella Lesnik, ergänzt aus ihrem Alltag: „Auch technische Aspekte gehören zu vielen Jobs – so muss auch ich in meinem Beruf als Moderatorin die Technik (wie etwa das Mischpult) bedienen können.“

mfr-2013_0246Auf der „klassischen“ journalistischen Seite stehen Maren Bednarczyk und Katja Vossenberg, die im Rahmen ihres Journalistikstudiums an der TU Dortmund derzeit ihr Volontariat beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) absolvieren. Ihr Weg ins beliebte WDR-Volo führte über die TU Dortmund, die geeignete Kandidaten vorschlägt, u. a. auf Grundlage ihrer Arbeit in den Lehrredaktionen. Im Assessment-Center beim WDR müssen die Kandidat(inn)en Redaktions- und Nachrichtenaufgaben, im Team und alleine lösen. Katja erklärt: „Man muss zeigen, wer ist man, was macht man und steht man zu den Dingen, die man bisher gezeigt hat“. Wer aus anderen Bereichen oder von anderen Universitäten als der TU Dortmund kommt, muss noch einige Schritte mehr absolvieren, aber auch hier muss der Weg nicht schnurstracks zum Radio oder Fernsehen führen. In ihrem Ausbildungsjahrgang haben die beiden auch Leute mit Erfahrungen im Printbereich. Wer sich im Auswahlverfahren bewiesen hat, zieht dann wie Maren, die gerade im WDR-Regionalstudio Essen ist, mit dem Aufnahmegerät oder der Kamera los, aber man lernt auch den Alltag eines Redakteurs kennen. Dass da der Tag auch schon mal um Viertel nach Vier beginnt, durfte sie dabei auch schon erfahren. Dennoch stand für sie schon früh fest, wo sie hin will: „Journalismus zählte schon immer zu meinem Interesse. Ich fand Benjamin Blümchen immer nicht so gut und eher stand ich auf Karla Kolumna.“
Insgesamt gebe der WDR seinen Volontären sehr viel Raum, sich auszuprobieren, z. B. bei einer Live-Schaltung oder einer Übertagung aus dem Ü-Wagen, schwärmt Katja. „Das Unternehmen nimmt sich wirklich Zeit, den Nachwuchs auszubilden. Uns wird viel ermöglicht, wir können uns vielseitig ausprobieren.“

mfr-2013_0271Auf 25 Jahre Berufserfahrung im und mit dem Fernsehen blickt Elisabeth Neumann zurück, die nun als Ausbilderin und Coach das „Fernsehmachen“ lehrt, angefangen von der Recherche, Moderation, über die Dramaturgie bis hin zu rechtlichen Aspekten. Ist der Weg ins Fernsehen erst einmal gefunden, geht es darum, gutes Handwerk zu lernen und sich auszuprobieren. Sie rät, die erste Beschäftigung, z. B. das Volontariat, dazu zu nutzen, in vielen Bereichen Erfahrungen zu sammeln. Stammen diese auch von einer guten Adresse, hat man es später als freier Mitarbeiter leichter, wenn es darum geht, Eigenmarketing zu betreiben.
„Das wichtigste, um an einen Job zu kommen, ist das Netzwerk, aber auch als Neuling eine Stellung zu halten und die Chance sich auszuprobieren – einfach mal was für die Tonne zu produzieren. Hierfür sollten die Arbeitgeber einem Raum geben. Die heutige Problematik besteht aber darin, dass die jungen Menschen immer mehr leisten müssen, der Druck ist viel höher als früher. Man sollte aber immer bei seinem Lebenslauf auf den eigenen Marktwert achten.“

mfr-2013_0299Andrea Ernst bereitet ihre Studierenden auf die Arbeit im Bereich Medientechnologie vor. Man kann sich dort z. B. auf Postproduktion wie Animation, Trailer etc. spezialisieren. Auch sie betont, dass die technischen Jobs ebenso kreativ sein können. Auch wenn man die IT-Kenntnisse natürlich erst erwerben muss.
Dass nicht nur Medien- oder Kommunikationswissenschaften in die Medien führen, macht auch sie deutlich. Sie lehrt an der Fachhochschule in Wien Grundlagen des Journalismus. Auch auf ganz andere Fachrichtungen kann man ein Volontariat setzen und z. B. auch als Biologin, Medizinerin oder Juristin zum Fachjournalisten werden. Die Lust am Fach sollte man dann journalistisch vermitteln. Sie verdeutlicht: „Neben dem entsprechenden Studium sind auch andere Einstiege möglich. Aber auch Fachleute, die ein Volontariat anschließen, haben ebenso große Chancen. Die erste Studienrichtung muss nicht unbedingt etwas mit Medien zu tun haben. Wichtig ist, dass man eine Linie hält. Hierbei ist das Entscheidende die Neugier und die Lust, ein bestimmtes Fach zu erlernen und dies medial bzw. journalistisch zu transportieren – das macht guten Journalismus aus.“

Die Fragen der angehenden Medienfrauen

Die Panelteilnehmerinnen ermutigen eine Germanistikabsolventin, die es nicht ins Volontariat bei 1LIVE geschafft hat. Bettina Baum schlägt vor, sich auch in Richtung PR und Kommunikationsabteilungen von Industrieunternehmen zu orientieren. Elisabeth Neumann entzaubert das „Du“ der Medienbranche, das erst einmal nichts zu bedeuten hat. Denn es ist einfach branchenüblich, aber kein Zeichen für eine Chance oder ein gutes Betriebsklima.
„Ein ‘Du’ sagt noch nichts darüber aus, ob man einen Job kriegt oder ob man ein gutes Berufsklima hat – es hat weniger zu bedeuten als man denkt.“ Auch Bella Lesnik hat einen Ordner von Absagen zu Hause. Auch sie hat ganz Radiodeutschland mit ihren Bewerbungen abgedeckt. „Wenn man eine Absage bekommt, muss das noch lange nicht das Ende für den Berufswunsch sein.“

mfr-2013_0198Auf die Frage, ob man Journalismus studieren soll oder lieber etwas anderes oder noch ein zweites Fach, bekommt man viele unterschiedliche Antworten. Die beiden Journalistikstudentinnen von der TU Dortmund haben jeweils ein Nebenfach gewählt. Aber Maren warnt davor, dass man sich dadurch auf ein Ressort, z. B. Sport, festlegen lässt. Genauso existiere aber auch die Meinung, Journalismus sei ein Handwerk, das man nicht zu studieren braucht. „Es gibt kein Allround-Antwort für eine Jobempfehlung – es sind hier ganz persönliche Eigenschaften gefragt, die dann auch wieder den Erfolg ausmachen“, so Bettina Baum.
Auf einen Punkt bringt es Elisabeth Neumann: „Das Schlüsselwort ist Leidenschaft.“ Für sie ist es entscheidend, den Berufswunsch praktisch in Auge zu fassen. Wo liegen die Interessen in den Tätigkeiten?

Ist es wichtig einen Master zu machen oder ist es vielleicht besser, nach dem Bachelor gleich in die Medien zu gehen?
Der Bachelor ist der erste berufsqualifizierende Abschluss und sehr auf eine unmittelbare Verwertbarkeit ausgerichtet. Aus ihrer Erfahrung mit Unternehmen berichtet Bettina Baum, dass es vor allem beim konzeptionellen und journalistischen Bereich mit dem Master leichter ist. Geht es eher um technische Fertigkeiten, kann der Weg auch über den Bachelor führen. Bei der RTL-Journalistenschule haben die die besten Chancen, die einen Masterabschluss und Praxiserfahrungen aus Praktika oder freier Mitarbeit haben, weiß Elisabeth Neumann zu berichten. Bereits während des Studiums zu publizieren, hält auch Andrea Ernst für sehr wichtig. Am wichtigsten sei aber die Neugier auf die Welt und seine Themen. „Die Primärqualifikation ist Neugier. Ich muss neugierig sein, wie die Welt funktioniert, neugierig auf Menschen sein und interessiert daran, wie die Welt sich entwickelt. Die Freude und das Mühsal sollten unbedingt eng beieinander liegen“, so Elisabeth Neumann.
Wenn man schon Erfahrungen hat, sagt sie, weiß man, ob das wirklich der Bereich und die Aufgabe ist, an der man Freude hat.

Tipps für die Medienfrauen der Zukunft

mfr-2013_0295Zum Abschluss geben die Medienfrauen Tipps. Für Maren sind Reden und Zuhören sind die wichtigsten Eigenschaften, die man mitbringen sollte. Weiß man, dass man in diese Richtung will, soll man durch Praktika in verschiedene Redaktionen schnuppern und immer am Ball bleiben.
Maren: „Man sollte neugierig und offen sein. Überraschungen kommen auf einen zu, hierfür sollte man offen sein und am Ball bleiben.“ Auch mit professioneller Kritik muss man nicht nur umgehen können, sondern auch von ihr lernen können, rät Katja.

Elisabeth Neumann appelliert noch einmal an die Leidenschaft und Freude der jungen Journalistinnen. „Die Kompetenzen prägen sich von alleine aus, aber Leidenschaft und Freude sind entscheidend.“
Man hat ein ganzes Berufsleben vor sich, die Zeit ist zu lang, um nicht mit Freude bei der Sache zu sein. Man sollte sich fragen: Reicht diese Leidenschaft aus, um mich z. B. auch für Überstunden zu motivieren? Genauso sieht es Andrea Ernst. Aber sie warnt auch davor, die erste Berufsentscheidung für zu „entscheidend“ zu halten. Man wird im Laufe seiner Berufstätigkeit etwa fünf unterschiedliche Berufe haben, die sich zwar ähneln, aber unterschiedliche Seiten, Anstellungsformen oder Themen haben können.

„Lesen, sich orientieren, immer fragen, immer (neu) ausprobieren, hineinschnuppern. Man muss wissen, ob die Branche und das Arbeitsumfeld zu einem passt. Hierfür ist die Orientierung sehr wichtig“, so Bettina Baum. Sie gibt den angehenden Medienfrauen auf den Weg, dass man nicht nur nach den journalistischen Berufen schauen sollte. Man sollte sich erst einmal in der unglaublich weiten Medienbranche orientieren und sich über Praktika auszuprobieren, um in unterschiedliche Branchen und Tätigkeitsbereiche hineinzuschnuppern. Über verschiedene Berufsprofile informieren  kann man sich z. B. bei medienkarriere.nrw.de, einer Plattform, die über Ausbildungs- und Studiengänge in der Medienwelt Nordrhein-Westfalens informiert.

Die Moderatorin und bereits erfolgreiche Medienfrau Bella Lesnik schließt das Panel mit den Worten: „Macht was aus eurer Zukunft – vielleicht ja auch was mit Medien.“

 

Cathrin Bengesser & Nicole Riechert

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Mrz 132013
 

Medienfrauen NRW 2013

mfr-2013_0040Wenige Tage nach dem diesjährigen Frauentag starten am 13.03. um kurz nach halb zehn die Medienfrauen NRW 2013 im Kölner Veranstaltungszentrum KOMED. Auch in diesem Jahr geht es um erfolgreiche Frauen in den Medien und die Wege, die sie dorthin geführt haben.

Den Anfang macht an diesem Tag Uwe Kammann, seines Zeichens Direktor des Grimme-Instituts, der betont, dass insbesondere seit der Jahrtausendwende viel in Bewegung gekommen sei: Es gibt im Mediengeschäft mittlerweile viele große Persönlichkeiten mit dem „eindeutigen Vorzeichen weiblich“. Gerade in diesen Branchen seien Frauen besonders erfolgreich, so Kammann. Das Spektrum der möglichen Tätigkeiten und Wege sei dabei viel weiter gefasst als noch vor zehn Jahren, dies ist in den Augen Kammanns aber durchaus auch kritisch zu beleuchten.

 Es folgt Angela Spizig, Bürgermeisterin der Stadt Köln, die in der „Stadt der starken Frauen” tätig ist. Heute ist Köln zudem eine Medienstadt, in der viele erfolgreiche Frauen unterwegs sind: Editorinnen, Produzentinnen, Moderatorinnen, Drehbuchautorinnen – das Spektrum ist groß, betont auch Spizig.

mfr-2013_0057Am Beispiel zweier Fernsehproduktionen verdeutlicht Spizig, dass Frauen ihre Karriere nicht länger mit einem geschmälerten Privatleben bezahlen sollten – Beruf und Familie lassen sich nach wie schwer vereinen, hier muss sich etwas ändern. Es geht darum, „dass Frauen alles machen können, ohne dass das Privatleben darunter leidet“, daran knüpft sich auch eine politische Agenda. Wichtig sei es für angehende Medienfrauen auch, „ihrer Neigung zu folgen“; es gilt mutig zu sein und nicht immer nur den geraden Weg zu wählen: „Wir sind 50% der Gesellschaft und so wollen wir auch behandelt werden“

Dr. Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, weist in ihrer Eröffnungsrede ebenfalls darauf hin, dass nicht immer der geradlinige Weg ans Ziel führt, auch Sackgassen können Erfahrungen und Ideen bereithalten.

mfr-2013_0089Auch die Ministerin betont, dass für Frauen nach wie vor „viel im Argen“ läge: Neben zahlreichen Gewalttaten gegen Frauen stehen Beispiele struktureller Diskriminierung, etwa durch mangelnden Zugang zu Bildung.

Obwohl solche Extrembeispiele zunächst weit entfernt zu sein scheinen, ist auch bei uns in Deutschland noch viel zu tun, denn viele Entwicklungen gehen auch hierzulande nur schleppend voran. Wenn der Fortschritt also nicht von alleine kommt, stellt sich zwangsläufig die Frage nach einer Quote. Dabei darf die Quote laut Dr. Schwall-Düren keineswegs als unrechtmäßige Beschleunigung des Karrierewegs gesehen werden, viel mehr geht es darum, Vorurteile zu durchbrechen, die dafür sorgen, dass „Frauen von den guten Stellen ferngehalten werden“.

Während sich durch eine Quote sicherlich einiges zum Besseren verändern lässt, sind jedoch auch die Mädchen und jungen Frauen selbst gefragt: Viel zu häufig wählen sie noch „typisch weibliche Berufe“ – woran liegt das?

Diese Problematik setzt sich fort, wenn Frauen im Schnitt um 22% schlechter bezahlt werden als Männer. Obwohl dieser Unterschied schrumpft, ist er noch lange nicht verschwunden.

Während bei vielen dieser Probleme die Politik gefragt ist, sind auch gesellschaftliche Debatten über diese Themen von größter Wichtigkeit, wie sie zum Beispiel durch eine Veranstaltung wie die Medienfrauen angestoßen werden.

Nicht zuletzt ist auch jedes Mädchen / jede Frau selbst gefragt: „Wählen Sie klug“, denn Entscheidungen am Berufsanfang können weitreichende Folgen haben, darum gilt: „Hören Sie zu und fragen Sie nach!“

“Machen Sie sich klar, dass Sie jetzt Entscheidungen treffen, mit denen Sie auch noch in 30 Jahren zufrieden sind. Seien Sie klug. Machen Sie sich schlau, hören Sie zu und fragen Sie nach.”

Auf diese Eröffnungsreden folgt im Anschluss das Panel 1, das sich „erfolgreichen Frauen in den Medienbranchen“ widmet.

  • Pia von Houwald / E-Plus

  • Petra Kohnen / Deutsche Welle Akademie

  • Kim Lenar / BILD

  • Claudia Pelzer / crowdsourcingblog

 

Frage Lesnik: Wie sieht der typische Arbeitstag aus?

mfr-2013_0176Lenar: Der Tag beginnt mit dem Lesen von Zeitungen, Agentursmeldungen etc., um sich ein möglichst umfassendes Bild zu machen. Es folgt eine Konferenz, in der die Ressorts ihre wichtigsten Meldungen vorstellen. Danach kommen zahlreiche weitere Konferenzen, in denen es darum geht, „das Blatt zusammenzustellen.“. Der Tag ist also mit Gesprächen und Bastelarbeiten gefüllt. Ab dem Nachmittag wird dann die eigentliche Zeitung zusammengestellt, die bis nachts um halb eins fertiggestellt sein muss. Die Tage sind grundsätzlich voll und anstrengend und enden selten pünktlich.

Kohnen: „Ich arbeite immer“, deshalb kann Kohnen keine festen Tagesabläufe vorweisen. Durch ihre unterschiedlichen journalistischen Tätigkeiten war sie stets viel unterwegs, Arbeitszeiten von neun bis fünf gibt es für sie nicht. Durch ihre Arbeiten im Ausland – momentan in Ägypten – hat sie sich mitunter auch in gefährliche Situationen begeben (müssen).

Von Houwald: Von Houwald nimmt sich früh am Morgen Zeit für sich selbst, indem sie joggen geht, danach versorgt sie ihre Kinder. Fürs Büro gilt: „Es gibt keinen Tag, der dem anderen Tag gleicht“, jeder Tag beginnt unterschiedlich: Manchmal geht es um das Prüfen von Verträgen oder die Entwicklung von Tarifmodellen, während an anderen Tagen ganze Geschäftsmodelle entwickelt werden müssen. Von Houwald selbst findet das Dasein als Frau im Berufsleben nicht schwierig, in ihrer Abteilung beläuft sich das Verhältnis von Frauen und Männern auf 50/50. „Ganz bestimmt“ gibt es in von Houwalds Augen Bereiche, in denen eine Quote nötig ist, jedoch sollte diese nicht pauschal verordnet werden – für von Houwald ist es im Beruf grundsätzlich nicht von Nachteil, eine Frau zu sein: „Ich würde nichts davon missen müssen“, sagt sie abschließend.

Pelzer: „Das einzge, was es bei mir nicht gibt, ist ein typischer Tag.“ Pelzer arbeitet an unterschiedlichen Orten mit sehr unterschiedlichen Menschen und muss sich schnell um- und einstellen können, wichtig für ihre Arbeit ist die ständige Verfügbarkeit des Internet.

Frage Lesnik: Wie kommt man dahin, wo man ist?

mfr-2013_0129Kohnen: Wollte eigentlich Lehrerin werden, hat Chemie studiert, nebenbei Anglistik/Philosophie; Referendariatsplätze waren jedoch knapp, deshalb entschied sich Kohnen zusätzlich für ein Studium der Kommunikationswissenschaft, über das sie in den Privatfunk kam. Letztendlich kam sie so auch zur Deutschen Welle, wo sie sich nebenbei weiter qualifizierte und engagierte.

Pelzer: „Man muss für ein Thema brennen und unglaublich neugierig sein“, das sind mögliche Erfolgsrezepte. Man braucht „einen roten Faden“, am dem man sich entlang hangelt und um den herum man seine Karriere strukturiert.

Von Houwald: Wusste nach dem Abitur nicht, was sie machen wollte: Fing nach einem Auslandsaufenthalt zuerst eine Fotografie-Lehre an, die jedoch nicht das Richtige war. Nachdem sie sich an einigen Stellen ausprobiert hatte, begann sie schließlich mit einem BWL-Studium, das sich zum Selbstläufer entwickelte. Wichtig ist nach von Houwalds Meinung, dass man sich auf seinem Karriereweg nicht zu leicht abschrecken lässt: „Man muss sich treiben lassen“, darf sich aber gleichzeitig nicht verbiegen. Man muss flexibel und veränderungsbereit sein, darf aber den Spaß nicht aus den Augen verlieren.

Lenar: Auch Lenar betont, dass sich treiben und sich nicht verbiegen lassen ein mögliches Erfolgsrezept ausmachen. Lenar wusste von Beginn an, dass sie schreiben wollte, ging deshalb erst einmal zur Hamburger Morgenpost, bekam dort ein Volontariat ohne vorheriges Studium. Auch laut Lenar ist Neugier wichtig, ebenso wie die Bereitschaft, „sich auszuprobieren“. Nach der Zeitung folgte die Arbeit für RTL Nord, die sich ebenfalls zum Selbstläufer entwickelte. Dabei lernte sie auch die Schattenseiten ihres Berufs kennen: Es folgte ein Burnout, das sie in einer Klinik behandeln ließ. Seitdem weiß Lenar, dass sie vor allem für sich selbst verantwortlich ist und wie wichtig es sein kann, „Stopp“ zu sagen. Als Konsequenz ging sie in die Selbstständigkeit und landete über Umwege bei BILD. Spannend sei an ihrem Beruf vor allem, dass sich die Tätigkeitsfelder permanent verändern. Deshalb ist es extrem wichtig, „offen und neugierig“ zu sein, auch Mut ist gefragt: „Es funktioniert alles, wenn man dafür brennt“, man muss „dem Zufall eine Chance geben“, wie Lesnik hinzufügt.

Frage Lesnik: Wie normal und wichtig ist das Scheitern?

mfr-2013_0165Pelzer: Scheitern gibt es in dem Sinne nicht, denn jeder Weg birgt Erfahrungen. Oft hilft ein vermeintliches Scheitern auch, um herauszufinden, was man will und was nicht. Man muss Dinge weglassen können, die „nicht gut tun oder nicht gefallen“

von Houwald: Jede Station im Leben ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung; wenn man sich für Veränderungen entscheidet, tun sich häufig auch neue Möglichkeiten auf. Dazu gehört jedoch der Mut zur Veränderung.

Kohnen: Für sie ist es wichtig, dass man zu dem steht, was man tut – dafür hat sie auch den ein oder anderen Knick in der Karriere in Kauf genommen: „Ich habe mir nie reinreden lassen.“ Auch Kohnen vertraut – wie alle Teilnehmerinnen – darauf, dass es immer irgendwie weitergeht, wenn man sich engagiert.

Frage Lesnik: Was hat sich in den letzten 12 Monaten getan in Sachen Frauen?

Lenar: Momentan arbeiten bei der BILD zwei Chefredakteure unterschiedlichen Geschlechts, die nach Meinung Lenars „unterschiedliche Geschichten“ auswählen, die auch jeweils unterschiedlich erzählt werden.

Von Houwald: Im IT-Bereich von E-Plus arbeiten wenige Frauen, im Marketing sind es mehr als die Hälfte; im Management ist die Entwicklung positiv: die Quote liegt zwischen 16 – 20%

Pelzer: Im Bereich Co-Working ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichen, auf Startup-Veranstaltungen etwa fehlt es noch an Frauen, hier ist Pelzer „eine der wenigen Frauen vor Ort“.

Kohnen: Auch bei der DW überwiegt die Anzahl der Männer, wenngleich mehr Frauen Führungspositionen besetzen als vor 20 Jahren, es gibt aber noch viel zu tun.

Frage Lesnik: Frau-Sein als beruflicher Nachteil?

Lenar: Sie hatte nie das Gefühl, wegen ihrer Weiblichkeit benachteiligt zu werden; oft stand ihr jedoch ihre eigene Einstellung im Weg, etwa wenn es darum ging, für gute Arbeit auch selbstbewusst eine entsprechende Bezahlung zu fordern.

mfr-2013_0152Von Houwald: Auch Houwald empfindet keine Benachteiligung, sie stimmt jedoch Lenar zu, dass Frauen mitunter zu zögerlich sind, Forderungen zu stellen.

Pelzer: Sie bescheinigt Männern in vielen Fällen „totale Selbstüberschätzung“, hier sind Frauen zurückhaltender, was ihnen häufig zum Nachteil gereicht. Dabei geht es jedoch nicht darum, sich dem männlichen Verhalten anzugleichen, denn darunter leidet das Selbstbild und das Arbeitsumfeld.

Frage Lesnik: Wie lassen sich Familie und Karriere verbinden?

Lenar: Dies ist immer eine schwierige Entscheidung, bei Springer gibt es beispielsweise einen Kindergarten, der die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert. Frauen mit Kindern auf der Führungsebene könnten hier positive Beispiele bieten.

Kohnen: Für Berufe, in denen häufiges Reisen gefragt ist, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf so gut wie nicht gegeben. Sie hat selbst bereits während des Studiums ihre Kinder bekommen, sodass die spätere Reisetätigkeit möglich war.

Von Houwald: Wenn Familiengründung ein Ziel im Leben ist, muss man es einfach tun und dann findet sich auch ein Weg: „Das muss irgendwie zusammenpassen.“ Die Karriere hat in dieser Zeit durchaus stagniert, dennoch hat es auf lange Sicht nicht geschadet.

Pelzer: Als Freelancerin ist man grundsätzlich flexibler. Als Festangestellte in Unternehmen kann man zwar auf eine Planstelle zurückkehren – aber ob das noch der gleiche Job ist wie vorher? Zudem gibt es infrastrukturelle Probleme, zum Beispiel bei der Kinderbetreuung, deshalb muss man sich „seinen Weg basteln“. Durch die neuen, mobileren und flexibleren Arbeitswelten verbessern sich möglicherweise auch die Möglichkeiten.

Frage Lesnik: Welche „Magic Moments“ / Schlüsselerlebnisse gab es?

Lenar: Die Anschläge vom 11. September waren für Lenar ein Schlüsselerlebnis: Wie erzähle ich das? Wie gebe ich es weiter? Was muss und darf man zeigen?

Kohnen: Ihr Beruf hielt viele Highlights bereit wie bspw. der Umgang mit zahlreichen Politikern sowie das Miterleben von Entscheidungsprozessen.

von Houwald: Viele kleine Dinge machen das Ganze aus und treiben an, „den großen Moment“ gab es nicht, wichtig ist Selbstvertrauen: „Du bist was, du kannst was, finde deinen Weg.“

Pelzer: Von kleinen Momenten kann – nach dem Modell der Lawine – eine große Sogkraft ausgehen: Man arbeitet sich immer intensiver ein, lernt entsprechende Menschen kennen.

 Abschließende Statements

mfr-2013_0190Lenar: Es ist wichtig darauf zu vertrauen, dass etwas Anderes kommt, Vertrauen in sich selbst ist zudem entscheidend, „Folgt eurem Bauchgefühl!“, „Lasst euch nicht entmutigen!“, „Bleibt neugierig!“

Kohnen: „Man muss offen bleiben“, Veränderungen gehören dazu, ebenso die Bereitschaft, immer Neues hinzuzulernen, man sollte das machen, wozu man motiviert ist, Frauen müssen „nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten”.

von Houwald: Die drei Eigenschaften Leistungsbereitschaft, Motivation sowie Veränderungsbereitschaft sind wichtig.

Pelzer: „Sucht euch ein Thema, für das ihr brennt, scheut euch nicht, damit rauszugehen, sucht euch Menschen für euer Netzwerk“, „Scheut euch nicht davor, einen Umweg oder Schlenker zu nehmen“, dann „kommt das eine zum anderen”.

 

Julia Wilms & Maria Roca Lizarazu

 

 Posted by at 12:55
Mrz 222011
 
medienfrauen2011_191

An dieser Stelle finden Sie unsere Audiodokumentation der Veranstaltung. Sie können die Begrüßungen und Redebeiträge der Gastgeber und Partner der “Medienfrauen NRW 2011″ nachverfolgen. Außerdem im Programm: Die Mitschnitte der beiden Vormittags-Panels, “Erfolgreiche Frauen in den Medienbranchen” und “Ausbildung in der Medienbranche – Voraussetzungen, Erfahrungen, Bedingungen”.

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