Nov 152017
 
  • Brigitte Schröder, Beraterin für Gründer und Selbständige
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Bild: Georg Jorczyk / Grimme-Institut

„Was bedeutet Karriere für euch?“, fragte Schröder die rund 40 Teilnehmer(innen). „Work-Life-Balance“ oder „der Weg zu persönlichen Zielen“ waren einige Antworten. Und was verspricht sich das Publikum von Karriere? „Veränderungen mitgestalten, Spuren hinterlassen, finanzielle Unabhängigkeit (ca. 4.000 Euro im Monat)“, heißt es weiter.

Schröder demonstriert anhand ihres Werdegangs, dass Karriere und Berufsfindung komplex sein können. Zwar sei gerade heute der Wunsch nach einfachen Antworten für komplexe Situationen sehr hoch, doch „Karriere ist kein Schema“, lautet Schröders Kernaussage, denn die Welt und die Vorstellung von Karriere seien dafür viel zu komplex.

Anhand des „Cynefin-Frameworks“ erläutert Schröder einfache, komplizierte, komplexe und chaotische Situationen. Kennzeichen von komplexen Situationen sei, dass nicht klar ist, was Ursache und was Wirkung ist. Dies sei derzeit sowohl in der Arbeits- als auch in der Medienwelt der Fall. In einer komplexen Situation ist Probieren gefragt. Dann könne man wahrnehmen, was sich verändert und entsprechend agieren (emergent practise). Hilfreich zum Erlangen von Stabilität seien Leit- und Orientierungspunkte, Schröder nennt dies „individuelles Lebensunternehmertum“: Komplexität reduzieren, Entscheidungen unter Unsicherheit treffen, eigene Vorstellungen und Möglichkeiten strukturieren, unternehmerisches Denken und Handeln entwickeln. Letztgenannte sei eine der Kompetenzen für die Zukunft.

Zufriedenheit und das Spüren von Wirksamkeit seien zwei Punkte, die Arbeitnehmer im mittleren Alter als besonders bedeutsam für ihre Karriere nennen. Diese seien auch zu Beginn beachtenswert. Wie erreiche ich Zufriedenheit? Indem Können, Wollen und Dürfen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Kenne ich meine Kompetenzen und Präferenzen, verleiht dies Stabilität.

Dann lernen die Teilnehmer(innen) mit verschiedenen Übungen sich selbst besser kennen: Wie fühlt sich Präferenz an? Was kennzeichnet meinen Stil? Orientiere ich mich an Themen oder an Personen? Ist mir Veränderung oder Stabilität wichtiger? Hier erreicht der Workshop das Thema Passung und alle ordnen sich ihren Rollen zu, wie Spezialist, Teamworker und Ideengeber.

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Bild: Georg Jorczyk / Grimme-Institut

Die Teilnehmer(innen) berichten von ihren Erfahrungen aus Praktika und anderen Arbeitsstellen und ordnen diese beispielhaft in den Kontext ein: Ein Theater war als Familienkultur strukturiert, obwohl es gerne eine Prozesskultur sein wollte, einer Redaktion mangelte es aufgrund der Leistungs- und Prozesskultur an Team- und Familienkultur. Hinzu kam, wie sich die Teilnehmer(inne)n dort fühlten hinsichtlich ihrer Passung. Schröder verdeutlichte, dass Wertungen unter anderem aufgrund von ähnlichen Perspektiven und Rollen entstehen und es wichtig sei, sich dies auch bei der Berufswahl zu verdeutlichen: Wie ist der Kontext des Unternehmens? Was ist meine Rolle? Wo sehe ich Entwicklungsschritte für mich?

Zum Abschluss stellt Schröder das neue Unternehmertum vor. Daran angeglichen stellen sich bei der heutigen Berufsplanung für jede(n) die Fragen: Welche Mittel stehen mir zur Verfügung? Was bin ich bereit zu verlieren? Wem muss ich davon erzählen?

 Posted by at 11:45

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