Nov 142017
 
  • Romina Stawowy, Agentur STAWOWY
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Bild: Georg Jorczyk / Grimme-Institut

Die Workshopleiterin Romina Stawowy ist 35, Mutter von 3 Kindern, was nach eigener Aussage „mordsmäßig“ anstrengend ist, und leitet gemeinsam mit ihrem Mann eine Kommunikationsagentur. Die starre Schulklassen-Sitzordnung wird von ihr direkt zu Beginn in einen kommunikativen Stuhlkreis umgebaut. Sie ist gelernte Mediengestalterin und nach eigenen Angaben nicht als Profi auf die Welt gekommen. Beruflich hat sie verschiedene Stationen durchlaufen, bis sie die Verlagsleitung beim Dresdner Stadt-Magazin „Prinz“ übernommen hat. Als das dritte Kind da war, hat sie sich mit ihrem Mann selbstständig gemacht, die Kinder sind also Bürokinder.

Es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen, was das Präsentieren und Netzwerken angeht. Für eine Übung zur Körpersprache werden ein Mann (immerhin ist genau einer anwesend) und eine Frau in die Mitte gebeten, um die „typischen“ Posen zu demonstrieren. Frauen stehen eher am Rand, gestikulieren wenig und lassen die Schultern hängen. Männer stehen breitbeinig, im festen Stand und mit breiter Brust. Eine gemeinsame Lockerungsübung soll helfen, die typische „Frauenpose“ abzuschütteln.

Verschiedene Umgebungen mit immer anderem Publikum auf unterschiedlichen Veranstaltungen bedürfen eigener Herangehensweisen. Small-Talk ist hier ein wichtiger Punkt. Zwei Teilnehmerinnen stellen ein Kennenlern-Gespräch, wie es z. B. auf einer Netzwerk-Veranstaltung passieren könnte, nach, und die Netzwerk-Expertin hat gar nichts auszusetzen. Auch die anderen Teilnehmerinnen loben die rege Gestik und das interessierte Nachfragen. Ein zweites Paar bekommt erschwerte Einstiegsbedingungen und darf sich nicht über die gegenseitige Biografie ausfragen. Schon wird es etwas holpriger und ein flüssiges Gespräch kommt nicht in Gang.

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Bild: Georg Jorczyk / Grimme-Institut

Auch die Frage, wie man aus einem Small-Talk herauskommt, wird diskutiert. Neben den üblichen Ausreden – Toilette, Getränkenachschub – bringen auch Teilnehmerinnen ein, dass sie sich mit einem höflichen „Hat mich gefreut, Sie kennenzulernen, nun muss ich weiter“ aus solchen Situationen entlassen. Generell sei es hier wichtig, entsprechende Situationen zu üben. Dies kann z. B. auch auf der Straße geschehen, indem versucht wird, mit fremden Personen Blickkontakt herzustellen und zu halten, zumindest so lange, dass es nicht creepy wird. 

Die nächste Übung ist der Elevator-Pitch. Auf einer kurzen Fahrstuhlfahrt soll das hierarchisch höher gestellte Gegenüber von einem Anliegen überzeugt werden. Hier wird herausgestellt, dass in der kurzen Zeit ein selbstbewusstes Auftreten hilfreich ist. Romina Stawowy gibt den Hinweis, zu Beginn drei ganz klare Kernbotschaft zu senden: „Hallo, ich bin … und ich mache … und ich kann …/das haben Sie von mir …“ Uneinigkeit herrscht bei der Frage, ob man immer die Hand gibt.

In Konfliktsituationen empfiehlt die Workshopleiterin ein transparentes, lösungsorientiertes Handeln. Fehler sollten direkt und ehrlich angesprochen werden, damit eine gemeinsame Problemlösung erarbeitet werden kann, bevor man sich in der Situation verfranst. Teilnehmerinnen berichten hierzu, dass sie in diesen unangenehmen Situationen eher Dankbarkeit und Anerkennung statt Ablehnung erfahren haben.

Kleine Kraftübungen zum Adrenalinabbau vor einem solchen Termin (Treppensteigen, Wasserflasche mit dem ausgestreckten Arm halten) können hilfreich sein, wenn man sehr nervös ist. Auch das Einnehmen von dominanten Posen im Vorfeld kann unbewusst dazu führen, dass man mit einer besseren Grundstimmung in ein solches Gespräch geht.

Das nächste Rollenspiel thematisiert den Umgang mit sexistischen Äußerungen in professionellen Situationen. Dies ist Romina Stawowy tatsächlich passiert und hat dazu geführt, dass sie die Zusammenarbeit mit dem Kunden beendet hat. Als der Posten neu besetzt wurde, hat sie den Kontakt wieder aufgenommen und den Auftrag neu erhalten. Hier plädiert sie ganz klar für eine klare, konsequente Haltung, auch wenn hier die Gefahr besteht, in die Hysterie-Ecke gestellt zu werden.

Zum Ende des Workshops entspinnt sich eine Fragerunde zum Umgang auf Xing. Ab wann kann ich einer Person eine Freundschaftsanfrage schicken? Wie formuliere ich Nachrichten nach längerer Abwesenheit? Was mache ich mit Leuten, die mein Profil besuchen und aber ansonsten nichts unternehmen?

Das Fazit von Romina Stawowy lautet: „Versucht keine Männer zu sein.“ Stattdessen sind Authentizität und Aufrichtigkeit wichtiges Rüstzeug für den erfolgreichen Umgang mit Kollegen, Kunden und Netzwerken.

 Posted by at 15:44

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